Hinschauen, hinterfragen, Bescheid wissen
Aktionstag gegen rechtes Gedankengut an der Werratalschule Heringen
Rechtsextremismus begegnet uns nicht nur in den Nachrichten. Auch im privaten Umfeld oder beim Scrollen durch soziale Medien können Jugendliche mit rechten Parolen, Symbolen oder Ideologien in Berührung kommen. Genau deshalb beschäftigten sich die achten, neunten und zehnten Klassen der Werratalschule Heringen bei einem Aktionstag mit der Frage, wie rechtsextreme Inhalte heute auftreten, wie man sie erkennt und wie man mit ihnen umgehen kann. Organisiert wurde der Aktionstag von SMOG e. V. („Schule machen ohne Gewalt“) und FilmFaktum, unterstützt durch die Partnerschaft für Demokratie und das Polizeipräsidium Osthessen.
Einen ersten Einblick in die aktuelle Situation gab dabei Christian Diegelmann vom Polizeipräsidium Osthessen. Er erklärte, dass von insgesamt 374 politisch motivierten Straftaten in Osthessen im vergangenen Jahr 23 auf das linke und 208 auf das rechte Spektrum entfielen. Entsprechend machten die Zahlen deutlich, dass Rechtsextremismus auch in unserer Region ein relevantes Thema ist. Anhand konkreter Beispiele zeigte Diegelmann anschließend, wie sich rechtsextremes Gedankengut äußern kann – von bekannten Symbolen und Parolen bis hin zu weniger offensichtlichen Zeichen und Codes. Auch die Frage, welche Inhalte strafbar sein können, spielte dabei eine wichtige Rolle. Erwin Maisch, 1. Vorsitzender von SMOG e. V., begleitete den Aktionstag und brachte dabei die Perspektive der langjährigen Präventionsarbeit des Vereins ein.
Wie Rechtsextremisten Musik nutzen, um junge Menschen anzusprechen und ihre Ideologie zu verbreiten, zeigte ergänzend dazu der Filmemacher Peter Ohlendorf anhand von Ausschnitten aus seiner Dokumentation „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“. Darunter waren auch Aufnahmen von rechtsextremen Konzerten im hessischen Kirtorf. Ergänzt wurden die Einblicke durch Ausschnitte aus einer aktuellen ZDF-Dokumentation über junge Neonazis und einen kurzen Clip von einem Aufmarsch der Jungen Nationalisten in Wetzlar aus dem Juni 2025.
„Die Informationen kommen an“, fasste Schulleiter Christoph Peters die Erfahrung des Aktionstages zusammen. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler habe gezeigt, wie wichtig solche Angebote seien – gerade in einer Zeit, in der soziale Medien Informationen, Meinungen und auch extremistische Inhalte schnell verbreiten.
Ziel des Aktionstages war es nicht, mit erhobenem Zeigefinger zu belehren. Vielmehr sollten die Jugendlichen Informationen an die Hand bekommen, die ihnen helfen, aufmerksam und sicher mit solchen Inhalten umzugehen. Eine wichtige Botschaft des Tages lautete deshalb: Wenn einem rechtes Gedankengut begegnet, lohnt es sich, nicht einfach weiter zu scrollen, sondern genauer hinzusehen, nachzufragen und sich zu informieren.
Der Aktionstag war damit vor allem eines: Eine Gelegenheit, ein schwieriges Thema offen anzusprechen – verständlich, lebensnah und mit Blick auf die Welt, in der Jugendliche heute unterwegs sind.



