Werratalschule Heringen

Franzosen schnuppern Schulluft und Weihnachtsduft

- Schülergruppe aus Philippsthals Partnerstadt Salies du Salat zu Besuch -

„Wo kommen denn all die Franzosen her?“, fragte ein Schüler kürzlich überrascht, als überall Französisch erklang und 25 Schülerinnen und Schüler sowie mehrere begleitende Erwachsene aus dem europäischen Nachbarland die Werratalschule erkundeten. Die Heringer Mitschüler, die als zweite Fremdsprache Französisch lernen und begeistert ihre französischen Gäste durch die Schule führten und sie mit in ihren Unterricht nahmen, konnten schnell das Rätsel lösen. Es handelte sich nämlich um eine altersgemischte Gruppe Deutschlerner vom Collège in Salies du Salat, der Partnerstadt von Philippsthal. Mit ihren Lehrkräften Nathalie Wilhelmy und Christian Raynaud waren sie zu Gast in Philippsthal und wurden vom erst kürzlich gegründeten Partnerschaftsverein „Les Amis de Salies“ rührend betreut. Mit Hilfe dieses Vereins sollen die bereits sehr rege und lebendige „jumelage“ auf noch solideren Boden gestellt und die Jugend stärker mit einbezogen werden. Die vorweihnachtliche Begegnung in der Werragemeinde erwies sich sogleich als voller Erfolg.

Den Kontakt zur Werratalschule Heringen (WTS) hatte Gudrun Sachse hergestellt. Bis zum Eintritt in ihren Ruhestand selbst Französischlehrerin an der WTS, ist sie seit jeher einer der Motoren der seit 1974 existierenden Partnerschaft mit Salies du Salat und nun auch Vorsitzende des neuen Vereins. Eine herzliche und lebendige Begegnung von französischen und deutschen Schülern endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine der Schule. Dabei schmiedeten die beteiligten Lehrkräfte beider Nationen bereits eifrig Pläne für einen künftigen Schüleraustausch. „Gleich im Jahr 2020 soll es losgehen!“, bestätigten Andrea Völker, Julia Schaub und Carolin Heckmann, die an der WTS die Fachschaft Französisch bilden, und ihre Kollegen aus Salies du Salat nickten ebenso enthusiastisch.

Außer Schulluft lernten die Gäste aus Frankreich natürlich auch Philippsthal und - an und auf der Brücke zu Vacha - allerlei Interessantes zur jüngeren Geschichte der deutschen Teilung kennen. Ferner erlebten sie bei einer Themen-Stadtführung das mittelalterliche Erfurt und schnupperten anschließend auf dem dortigen Weihnachtsmarkt den Duft deutscher Vorweihnacht.

Alle Jugendlichen und ihre Betreuer und Busfahrer waren in Philippsthaler Gastfamilien untergebracht. Ein zentraler Ort war außerdem das örtliche Feuerwehrhaus, in dem die Gruppe abends von engagierten Vereinsmitgliedern, allen voran von Thomas Zobel, verköstigt wurde, bevor es in die Gastfamilien ging. In der Feuerwehr fand ebenfalls ein bewegender Abschlussabend zusammen mit den Gastgebern statt. Nach einem gemeinsamen Essen wurden die Gasteltern beschenkt, und die Franzosen erhielten gleich zwei Erinnerungsgeschenke, nämlich eins vom Philippsthaler Partnerschaftsverein und ein weiteres von Petra Kaiser aus Vacha. Sie vertritt einen ähnlichen deutsch-französischen Partnerschaftsverein. Hierin spiegelt sich auch die Partnerschaft zwischen Philippsthal und Vacha wider. Mehrere Vachaer waren im Sommer mit einer Philippsthaler Gruppe zusammen in Salies du Salat zu Besuch. Schließlich wurden Abschiedsfotos gemacht und man versprach, sich bald wieder zu sehen.

Auf dem Hinweg hatten die französischen Gäste einen Besichtigungs- und Übernachtungsstopp in Straßburg eingelegt, für den Rückweg waren Besichtigungen in Heidelberg und Freiburg - dort wieder mit Übernachtung - geplant. Leider liegt Salies eben nicht mal gerade um die Ecke, sondern ganz im Süden Frankreichs. Das sei aber auf keinen Fall ein Hinderungsgrund, die bereits aktive Partnerschaft noch weiter auszubauen - darin waren sich französische und deutsche Freunde einig. (Fin)

Geld aus dem Werra-Ulster-Weser-Fonds

Der unermüdliche Einsatz unseres Schulvereins hat sich wieder einmal ausgezahlt. Der Verein erhält 38000 Euro aus dem Werra-Ulster-Weser-Fonds. Hier geht es zum Bericht.

Tag der offenen Tür an der Werratalschule

„Entdecke unser Haus des Lernens“
 
Dieser Devise anlässlich des Tags der offenen Tür an der Werratalschule Heringen folgten große Besuchermengen am Samstag, dem 16. November. Ganz besonders richtete sich der Tag an die Schüler und Schülerinnen aus den Abschlussklassen der umliegenden Grund- und Mittelstufenschulen und ihre Eltern, die gerade vor wichtigen Schullaufbahnentscheidungen stehen.
Bevor die Interessierten ihre eigentliche Entdeckungsreise durch die Schule begannen, wurde die Veranstaltung von Schulleiter Michael Arendt und der Vorsitzenden des Schulfördervereins, Carmen Brandes, eröffnet. Auch Bürgermeister Daniel Iliev war der Einladung in seine ehemalige Schule gefolgt und hatte sogar ein großzügiges Geldgeschenk der Stadt Heringen im Gepäck, das er unter lebhaftem Applaus an Arendt und Brandes für Schule und Förderverein übergab. Musikalisch wurde die Eröffnung des Publikumstages vom Schulorchester sowie Max Branz (Klavier) und Maria Schäfer (Gesang) umrahmt. Branz wies bei der Gelegenheit bereits auf das anstehende Adventskonzert seines Abiturientenjahrgangs
hin, das für den 5. Dezember in der Stadtkirche Heringen geplant ist. Im Zentrum des Tages standen anschließend Mitmachaktionen, die im vorausgehenden Unterricht projektartig vorbereitet worden waren und die einen Einblick in die vielfältigen Unterrichtsangebote der Schule vermittelten. Man konnte in Mathestationen spielerisch seine Zahlenkenntnisse und in der Metall-, der Näh- sowie einer Kunstwerkstatt sein handwerkliches bzw. kreatives Geschick erproben. Man konnte in die Aktivitäten der Forscherklasse hineinschnuppern und in einer Art Parcours von Experimenten den Forscherpass erwerben.
Überall sah man Schüler und Schülerinnen, wie sie die jungen Besucher in ihre Mitmachangebote einführten. Die Fächer Englisch, Französisch, Spanisch und Latein luden zur spielerischen Erkundung ihrer Sprachen ein. Der 6. Jahrgang nahm die Gäste „mit auf Klassenfahrt“ nach Ilmenau, wo man - auch auf kreative Weise - Johann Wolfgang von Goethe begegnen konnte. Auch die Bläserklasse und die Rock-AG stellten sich vor. Bei den Angeboten der sogenannten „Bewegten Pause“, der Gerätelandschaft in der Sporthalle und der Aktion „Lied und Bewegung“ konnte man sich ordentlich in Schwung bringen lassen. Im Rahmen des Nachmittagsangebotes bietet die WTS eine breite Palette an
Arbeitsgemeinschaften. Dazu gab es am Besuchertag Informations- und Beratungsmöglichkeiten.
Potentielle Oberstufenschüler und -schülerinnen konnten sich ferner in einem Info-Café über den angestrebten Weg zum Abitur und über Berufs- und Studienorientierung informieren. Ferner erfuhren sie Interessantes über die attraktiven Möglichkeiten, am Schulaustausch mit der Partnerschule in Watertown im US-Bundesstaat Wisconsin oder an dem mit einer Schule in den Niederlanden teilzunehmen. Auch für Interessierte an der Ausbildung zu Chemisch-Technischen Assistenten gab es altersgerechte und themenspezifische Angebote. Weitere Mitmachaktionen, wie einen Debattierclub, präsentierte der Bereich der Gesellschaftswissenschaften. Führungen durch die Schulgebäude hatten die Mitglieder der
Schulleitung persönlich übernommen, und es wurde auch reichlich Gebrauch davon gemacht. Die Schülervertretung sorgte für deftige Verpflegung, und viele engagierte Eltern des Schulelternbeirats bzw. des Schulfördervereins ließen einen Hauch von Kaffee, Kuchen und Popcorn durch die Gebäude wehen. Die Gelegenheit, einen Einblick in das lebendige Schulleben zu nehmen, ergriffen auch dieses Jahr wieder viele Eltern derzeitiger WTS-Schüler und Schülerinnen. Und wie immer bei solchen Anlässen, ließen es sich auch viele Ehemalige nicht nehmen, mal wieder in ihrer alten Schule vorbeizuschauen und zu besichtigen, was sich seit ihrem jeweiligen Abschluss alles verändert hat - insgesamt also eine Gelegenheit, sich in ielen Gesprächen über vergangenes, derzeitiges und künftiges Schulleben auszutauschen.
(Fin)
 

„Achtung, kein Happy End!“

- Autorin Antje Wagner zu Besuch an der Werratalschule Heringen -

Eine ganz besondere Begegnung mit Literatur erlebte der 6. Jahrgang der Werratalschule Heringen, als im Rahmen der 23. Osthessischen Jugendbuchwoche die Autorin Antje Wagner ihren Roman „Unland“ vorstellte. Zunächst erklärte sie, dass es nicht leicht war, einen Jugendbuchverlag zu finden, der einen Thriller druckt, und warnte: „Achtung! Wenn ihr ein Happy End wollt, lasst die Finger weg von diesem Buch!“ Damit erzeugte sie ein Höchstmaß an Neugierde bei den Jugendlichen, bevor sie überhaupt den ersten Satz gelesen hatte. Anschließend verfolgten sie gespannt mit, wie eine der Hauptfiguren des Romans ihre Ankunft in einem Heim für Jugendliche in einem gottverlassenen Dorf in der sachsen-anhaltinischen Pampa erlebt.

Hatte Antje Wagner mit ihrem jugendnahen Schreib- und Vortragsstil bereits den Nerv ihrer Zuhörerschaft getroffen, konnte sie deren Interesse noch dadurch steigern, dass sie nach dem ersten Teil ihrer Lesung die autobiographischen Züge des Thrillers aufdeckte. Auch sie ist in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, in dem es solch ein Heim gab, und hat mit vielen dieser so genannten Heimkinder ganz selbstverständlich ihre Schulzeit verbracht. In ihrem Roman verarbeitet sie deren Geschichten, macht sie aber durch allerlei schriftstellerische „Tricks“ unkenntlich, um niemanden zu entblößen oder verwundbar zu machen. Im zweiten Teil der Lesung ließ Wagner ihre Zuhörer zusammen mit der Hauptfigur viele Fragen zu „Unland“ stellen, nämlich den schwarzen Ruinen, die in unmittelbarer Nähe des Heims von einem Elektrozaun abgeschirmt sind.

Abschließend prophezeite sie, dass alles, was man sich im Laufe der Lektüre ihres Romans erschlossen habe, am Schluss „kippe“ und man ihn sofort noch einmal lesen wolle, um die Spuren zu erkennen, die man beim ersten Mal übersehen habe. Sofort begannen die Werratalschüler lebhaft, ihre Hypothesen auszutauschen. Dass sie sich das Buch ausleihen oder kaufen und gleich mit dem Lesen anfangen würden, stand längst außer Frage. (Fin)