Werratalschule Heringen

Vorweihnachtliches Klangerlebnis

- Werratalschüler beeindrucken mit Konzert in der Heringer Stadtkirche -

 Wer geglaubt hatte, die „Jugend von heute“ habe kein Interesse mehr an Musik oder konsumiere bestenfalls mittels der Streaming Dienste passiv, wurde kürzlich in der Heringer Stadtkirche eines Besseren belehrt. Der Abiturientenjahrgang der Werratalschule präsentierte ein vorweihnachtliches Konzert auf hohem Niveau, das sich von Klassik bis Pop erstreckte. Immer wieder beeindruckte Maximilian Branz am Klavier, so mit der Mitschülerin Lena Becker, die mit ihrem hingebungsvollen Gesang von „You are the reason“ (Calum Scott) und „Ho ho ho“ (Sia) berührte. Jasmin Strube (Klarinette) und Maximilian gaben zusammen L. Cohens bekanntes „Halleluja“ zum Besten. Julius Rühlmann und Maximilian Branz erwiesen sich als besonders leistungsstarkes Team am Klavier, indem sie vierhändig eine mitreißende Jazz-Version von L. v. Beethovens „Für Elise“ darboten und sich mit „Viva la vida“ in die Herzen des Publikums spielten. Julius brillierte auch als Solist am Klavier mit seinen äußerst einfühlsam intonierten romantischen Liedern von R. Schumann und F. Chopin, die er - besonders faszinierend - vollständig auswendig beherrschte. Für ein weiteres Klangerlebnis sorgte Abiturientin Melissa Sieber mit verschiedenen Stücken am Cello, so dem „Freude schöner Götterfunken“ von L. v. Beethoven.

Für einen musikalischen Kontrast sorgte eine Band derzeitiger und ehemaliger Schüler mit einem lautstarken, aber durchaus gehaltvollen Christmas Medley. Mit zarteren Stimmen erzielten die jüngsten Mitwirkenden des Abends, nämlich die Chor-AG von Musiklehrerin Karola Herrmann, einen Achtungserfolg mit einigen weihnachtlichen Weisen.

Für ein ausgesprochen gutes Verhältnis zwischen Schüler- und Lehrerschaft an der Werratalschule spricht sicher die Tatsache, dass die Organisatoren so viele Lehrkräfte zum Mitwirken bei ihrem Konzert bewegen konnten. So erfreuten gleich eingangs Musiklehrerin Andrea Baaske (Querflöte) und ihre Kollegin Friederike Rink (Orgel) mit einer Sonate aus der Barockzeit, ebenso wie Musiklehrerin Grit Korngiebel (Gesang) mit ihrer Kollegin Kathrin Mosebach (Klavier und Gesang) mit einem Weihnachtsklassiker von R. Zuckowski. Rink und Abiturient Maximilian Branz setzten außerdem am Klavier mit ihrem lebhaften vierhändigen Vortrag eines Ungarischen Tanzes (Nr. 5) von J. Brahms Akzente. Andrea Baaske und Karola Herrmann sorgten mit ihrem Abendsegen von F. Humperdinck für besinnliche Stimmung.

Schließlich hatte sogar der Lehrerchor unter Leitung von Karola Herrmann fleißig geprobt, um mit einer lateinisch-deutschen Fassung von „Herbei, oh ihr Gläubigen“ einen harmonischen Schlusspunkt zu setzen. Auch der „Hausherr“ der Kirche, Pfarrer Thorsten Waap, war eingebunden, indem er zur Begrüßung mit seinem Spiel auf der Ukulele für heitere Bewegung sorgte. Christoph Peters, der stellvertretende Schulleiter, fand in seiner Begrüßung eher besinnliche, ausgesprochen passende Worte zum Weihnachtsfest in der heutigen Zeit.

Zum Schluss stimmten schließlich Mitwirkende und Publikum in den Gesang zweier populärer Weihnachtslieder ein. Man war sich einig, dass so ein beeindruckendes Konzert unbedingt eine Wiederholung finden sollte. (Fin/Fotos:Kröhl)

 

Ohne Angst zum Sieg!

- Werratalschule Heringen ermittelte Siegerin im traditionellen Vorlesewettbewerb -

Die Schulsiegerin des Vorlesewettbewerbs der sechsten Klassen an der Heringer Werratalschule heißt Fiona Moldenhauer. Doch im Gegensatz zum Titel des Romans „Raum 213 – arglose Angst“ (von Amy Crossing), aus dem Fiona eine Passage vorlas, zeigte sie keine Angst. Im Gegenteil, sie überzeugte die Jury mit ihrem ausdrucksstarken Vortrag, in dem sie allerlei gruselige Vorkommnisse an einer US-amerikanischen Highschool lebendig werden ließ. Schon in der ersten Runde des traditionellen Vorlesewettbewerbs im 6. Jahrgang, nämlich im klasseninternen Entscheid, hatten alle Kinder ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Nachdem nun Fiona sowie die anderen Klassensieger und –siegerinnen im Schulentscheid zunächst aus dem Buch ihrer Wahl vorgelesen hatten, lagen in einem zweiten Durchgang die Hürden noch höher. Nun galt es schließlich, aus einem ihnen bis dahin unbekannten Roman vorzulesen. Hier bewies Fiona aus Klasse 6G1, dass sie nicht nur ihren vorbereiteten Romanausschnitt souverän beherrschte, sondern einen fremden Text ebenso überzeugend und einfühlsam vortragen konnte. Die Jury, bestehend aus vier Deutschlehrkräften sowie Carmen Brandes vom Schulverein und Can-Lukas Güler, dem Schulsieger des Vorjahres, hatte es allerdings nicht leicht, eine Entscheidung zu fällen, handelte es sich doch bei den Kandidaten um ähnlich geübte Leser und Leserinnen. Für ein besonders hohes Leseniveau spricht sicher die Tatsache, dass die Jury in ihrer „Entscheidungsnot“ spontan sogar eine kurze weitere Runde mit dem sogenannten „Fremdtext“ durchführte. Hierfür hatten sich Lia Christ, Sara Baraiac und Fiona Moldenhauer qualifiziert, die schließlich als Siegerin hervorging. Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung, bei der alle Klassenkameraden aus dem 6. Jahrgang mitgefiebert hatten, durften sich als erste die frisch gekürte Schulsiegerin und anschließend auch alle anderen Teilnehmerinnen dieser Runde ein Buch aussuchen, das vom Schulverein gestiftet wurde. (Fin)

Das Gruppenfoto zeigt die Deutschlehrerinnen Anne Siemon (links) und Karina Götzschel (rechts) mit den stolzen Klassensiegerinnen und den Klassensieger – stehend von links die Schulsiegerin Fiona Moldenhauer, Lia Christ (beide Klasse 6G1), Sara Baraiac, Florine Schaub (beide Klasse 6F2), Maximilian Schneider (Klasse 6F1) und kniend von links Emma Schaub, Naima Larcher (beide Klasse 6G2) und Angelina Euler (Klasse 6F1). 

DELF-Zertifikate

Auch in diesem Jahr dürfen sich wieder Schülerinnen und Schüler der Werratalschule über ihre DELF-Zertifikate freuen: Insgesamt haben 8 unserer sprachbegeisterten Schülerinnen und Schüler eine Urkunde erhalten, darunter fünf A1 und drei A2 Diplômes.

Ein emotionales Geschichtsprojekt

- Jugendliche der Werratalschule Heringen und der Eichelbergschule Berka lernen gemeinsam über das Leben mit der Mauer -

Für Jugendliche aus Thüringen ist die Mauer, die 28 Jahre unser Land in zwei Teile, ja zwei äußerst unterschiedliche Systeme teilte, genauso Geschichte wie für ihre hessischen Altersgenossen. Deshalb lag es nahe, gemeinsam dieser unbekannten Zeit diesseits und jenseits der Mauer nachzuspüren. Das dachten sich auch die Lehrerinnen Katja Gatzweiler von der Eichelbergschule Berka/Werra und Katja Riedel von der Werratalschule Heringen (WTS) und organisierten zusammen einen Projekttag, der kürzlich mit großem Erfolg an der WTS durchgeführt wurde. Dort präsentierten zunächst die WTS-Lehrkräfte Maria Brell und Stephan Danz den etwa 90 Jugendlichen aus dem 9. bzw. 10. Jahrgang beider Schulen Eingangsreferate zum politischen System der DDR und der deutsch-deutschen Politik dieser Zeit. Ein Film über den Fall der Mauer ließ die jungen Leute vor allem emotional nachempfinden, was dieser Teil der gemeinsamen Geschichte für ihre Eltern- bzw. Großelterngeneration bedeutet haben musste.

Aber „je weiter der Projekttag fortschritt, desto spannender wurde es“, so das Urteil einer Schülerin. Damit bezog sie sich auf den Besuch von drei Zeitzeugen und deren Berichte. Ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit war diesen drei Referenten dadurch gewiss, dass sie aus der unmittelbaren Nachbarschaft kamen - Berka, Vitzeroda bzw. Gerstungen und Dankmarshausen - und dass die Jugendlichen in thüringisch-hessisch gemischten Gruppen Fragen an die Zeitzeugen erarbeiteten, nachdem diese sich kurz vorgestellt hatten.

So vernahmen die jungen Zuhörer fast ungläubig, vor allem aber gerührt von Helmut Rackwitz (64), dem heutigen Leiter der Regelschule in Berka, wie kurz vor dem Mauerbau 1961 sein Vater aus Dippach in den Westen, also die ehemalige BRD, flüchtete und seine Familie in der DDR zurückließ. Von da ab beschränkte sich der Kontakt zwischen Vater und Sohn nur noch auf ein gelegentliches Zuwinken am Zaun.

Ebenso wie Rackwitz berichtete Simone Mosebach (49) vom alltäglichen Leben im sogenannten Sperrgebiet. Sie konnte nicht einmal unbeschwert ihren Kindergeburtstag feiern, da keine Gäste von außerhalb in die 500-Meter-Zone zur Grenze eingelassen wurden. 1985 wurde ihre Familie sogar nach Gerstungen umgesiedelt und ihr ursprüngliches Haus in Gasteroda/Vitzeroda von den DDR-Behörden abgerissen.

Fritz Ewald (68) hingegen war 1986 mit seiner Familie ins Sperrgebiet nach Dankmarshausen gezogen, um dort - übrigens bis 2014 - als Pfarrer tätig zu sein. Er sprach auch die Rolle der Kirche an und konnte ebenfalls von vielen interessanten, teilweise fast absurd anmutenden Erfahrungen des Lebens im Sperrgebiet berichten.

Es wurde durchaus deutlich, dass nicht grundsätzlich alles im DDR-Staat schlecht war, dass man sich arrangierte, vorsichtig zwischen „öffentlicher“ und „privater Meinung“ unterschied, dass dabei aber auch mitunter eine „Friedhofsruhe“ entstand, wie Ewald sich ausdrückte. Auch ein Leben in Freiheit - so wie es jetzt möglich ist - setze jedoch auch die Fähigkeiten der Verantwortung und Toleranz voraus. Darin waren sich Zeitzeugen wie Veranstalter einig.

Für die Jugendlichen aus Berka und Heringen war der Projekttag auf alle Fälle eine ganz wichtige Erfahrung, die von der WTS-Schülerin Anabel Heller folgendermaßen zusammengefasst wurden: „Menschen vermitteln im Gespräch eine ganz andere Sichtweise, als das unser Geschichtsbuch je hätte tun können!“ (Fin)