Werratalschule Heringen

Ein emotionales Geschichtsprojekt

- Jugendliche der Werratalschule Heringen und der Eichelbergschule Berka lernen gemeinsam über das Leben mit der Mauer -

Für Jugendliche aus Thüringen ist die Mauer, die 28 Jahre unser Land in zwei Teile, ja zwei äußerst unterschiedliche Systeme teilte, genauso Geschichte wie für ihre hessischen Altersgenossen. Deshalb lag es nahe, gemeinsam dieser unbekannten Zeit diesseits und jenseits der Mauer nachzuspüren. Das dachten sich auch die Lehrerinnen Katja Gatzweiler von der Eichelbergschule Berka/Werra und Katja Riedel von der Werratalschule Heringen (WTS) und organisierten zusammen einen Projekttag, der kürzlich mit großem Erfolg an der WTS durchgeführt wurde. Dort präsentierten zunächst die WTS-Lehrkräfte Maria Brell und Stephan Danz den etwa 90 Jugendlichen aus dem 9. bzw. 10. Jahrgang beider Schulen Eingangsreferate zum politischen System der DDR und der deutsch-deutschen Politik dieser Zeit. Ein Film über den Fall der Mauer ließ die jungen Leute vor allem emotional nachempfinden, was dieser Teil der gemeinsamen Geschichte für ihre Eltern- bzw. Großelterngeneration bedeutet haben musste.

Aber „je weiter der Projekttag fortschritt, desto spannender wurde es“, so das Urteil einer Schülerin. Damit bezog sie sich auf den Besuch von drei Zeitzeugen und deren Berichte. Ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit war diesen drei Referenten dadurch gewiss, dass sie aus der unmittelbaren Nachbarschaft kamen - Berka, Vitzeroda bzw. Gerstungen und Dankmarshausen - und dass die Jugendlichen in thüringisch-hessisch gemischten Gruppen Fragen an die Zeitzeugen erarbeiteten, nachdem diese sich kurz vorgestellt hatten.

So vernahmen die jungen Zuhörer fast ungläubig, vor allem aber gerührt von Helmut Rackwitz (64), dem heutigen Leiter der Regelschule in Berka, wie kurz vor dem Mauerbau 1961 sein Vater aus Dippach in den Westen, also die ehemalige BRD, flüchtete und seine Familie in der DDR zurückließ. Von da ab beschränkte sich der Kontakt zwischen Vater und Sohn nur noch auf ein gelegentliches Zuwinken am Zaun.

Ebenso wie Rackwitz berichtete Simone Mosebach (49) vom alltäglichen Leben im sogenannten Sperrgebiet. Sie konnte nicht einmal unbeschwert ihren Kindergeburtstag feiern, da keine Gäste von außerhalb in die 500-Meter-Zone zur Grenze eingelassen wurden. 1985 wurde ihre Familie sogar nach Gerstungen umgesiedelt und ihr ursprüngliches Haus in Gasteroda/Vitzeroda von den DDR-Behörden abgerissen.

Fritz Ewald (68) hingegen war 1986 mit seiner Familie ins Sperrgebiet nach Dankmarshausen gezogen, um dort - übrigens bis 2014 - als Pfarrer tätig zu sein. Er sprach auch die Rolle der Kirche an und konnte ebenfalls von vielen interessanten, teilweise fast absurd anmutenden Erfahrungen des Lebens im Sperrgebiet berichten.

Es wurde durchaus deutlich, dass nicht grundsätzlich alles im DDR-Staat schlecht war, dass man sich arrangierte, vorsichtig zwischen „öffentlicher“ und „privater Meinung“ unterschied, dass dabei aber auch mitunter eine „Friedhofsruhe“ entstand, wie Ewald sich ausdrückte. Auch ein Leben in Freiheit - so wie es jetzt möglich ist - setze jedoch auch die Fähigkeiten der Verantwortung und Toleranz voraus. Darin waren sich Zeitzeugen wie Veranstalter einig.

Für die Jugendlichen aus Berka und Heringen war der Projekttag auf alle Fälle eine ganz wichtige Erfahrung, die von der WTS-Schülerin Anabel Heller folgendermaßen zusammengefasst wurden: „Menschen vermitteln im Gespräch eine ganz andere Sichtweise, als das unser Geschichtsbuch je hätte tun können!“ (Fin)

 

DELF-Zertifikate

Auch in diesem Jahr dürfen sich wieder Schülerinnen und Schüler der Werratalschule über ihre DELF-Zertifikate freuen: Insgesamt haben 8 unserer sprachbegeisterten Schülerinnen und Schüler eine Urkunde erhalten, darunter fünf A1 und drei A2 Diplômes.

Geld aus dem Werra-Ulster-Weser-Fonds

Der unermüdliche Einsatz unseres Schulvereins hat sich wieder einmal ausgezahlt. Der Verein erhält 38000 Euro aus dem Werra-Ulster-Weser-Fonds. Hier geht es zum Bericht.

Franzosen schnuppern Schulluft und Weihnachtsduft

- Schülergruppe aus Philippsthals Partnerstadt Salies du Salat zu Besuch -

„Wo kommen denn all die Franzosen her?“, fragte ein Schüler kürzlich überrascht, als überall Französisch erklang und 25 Schülerinnen und Schüler sowie mehrere begleitende Erwachsene aus dem europäischen Nachbarland die Werratalschule erkundeten. Die Heringer Mitschüler, die als zweite Fremdsprache Französisch lernen und begeistert ihre französischen Gäste durch die Schule führten und sie mit in ihren Unterricht nahmen, konnten schnell das Rätsel lösen. Es handelte sich nämlich um eine altersgemischte Gruppe Deutschlerner vom Collège in Salies du Salat, der Partnerstadt von Philippsthal. Mit ihren Lehrkräften Nathalie Wilhelmy und Christian Raynaud waren sie zu Gast in Philippsthal und wurden vom erst kürzlich gegründeten Partnerschaftsverein „Les Amis de Salies“ rührend betreut. Mit Hilfe dieses Vereins sollen die bereits sehr rege und lebendige „jumelage“ auf noch solideren Boden gestellt und die Jugend stärker mit einbezogen werden. Die vorweihnachtliche Begegnung in der Werragemeinde erwies sich sogleich als voller Erfolg.

Den Kontakt zur Werratalschule Heringen (WTS) hatte Gudrun Sachse hergestellt. Bis zum Eintritt in ihren Ruhestand selbst Französischlehrerin an der WTS, ist sie seit jeher einer der Motoren der seit 1974 existierenden Partnerschaft mit Salies du Salat und nun auch Vorsitzende des neuen Vereins. Eine herzliche und lebendige Begegnung von französischen und deutschen Schülern endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine der Schule. Dabei schmiedeten die beteiligten Lehrkräfte beider Nationen bereits eifrig Pläne für einen künftigen Schüleraustausch. „Gleich im Jahr 2020 soll es losgehen!“, bestätigten Andrea Völker, Julia Schaub und Carolin Heckmann, die an der WTS die Fachschaft Französisch bilden, und ihre Kollegen aus Salies du Salat nickten ebenso enthusiastisch.

Außer Schulluft lernten die Gäste aus Frankreich natürlich auch Philippsthal und - an und auf der Brücke zu Vacha - allerlei Interessantes zur jüngeren Geschichte der deutschen Teilung kennen. Ferner erlebten sie bei einer Themen-Stadtführung das mittelalterliche Erfurt und schnupperten anschließend auf dem dortigen Weihnachtsmarkt den Duft deutscher Vorweihnacht.

Alle Jugendlichen und ihre Betreuer und Busfahrer waren in Philippsthaler Gastfamilien untergebracht. Ein zentraler Ort war außerdem das örtliche Feuerwehrhaus, in dem die Gruppe abends von engagierten Vereinsmitgliedern, allen voran von Thomas Zobel, verköstigt wurde, bevor es in die Gastfamilien ging. In der Feuerwehr fand ebenfalls ein bewegender Abschlussabend zusammen mit den Gastgebern statt. Nach einem gemeinsamen Essen wurden die Gasteltern beschenkt, und die Franzosen erhielten gleich zwei Erinnerungsgeschenke, nämlich eins vom Philippsthaler Partnerschaftsverein und ein weiteres von Petra Kaiser aus Vacha. Sie vertritt einen ähnlichen deutsch-französischen Partnerschaftsverein. Hierin spiegelt sich auch die Partnerschaft zwischen Philippsthal und Vacha wider. Mehrere Vachaer waren im Sommer mit einer Philippsthaler Gruppe zusammen in Salies du Salat zu Besuch. Schließlich wurden Abschiedsfotos gemacht und man versprach, sich bald wieder zu sehen.

Auf dem Hinweg hatten die französischen Gäste einen Besichtigungs- und Übernachtungsstopp in Straßburg eingelegt, für den Rückweg waren Besichtigungen in Heidelberg und Freiburg - dort wieder mit Übernachtung - geplant. Leider liegt Salies eben nicht mal gerade um die Ecke, sondern ganz im Süden Frankreichs. Das sei aber auf keinen Fall ein Hinderungsgrund, die bereits aktive Partnerschaft noch weiter auszubauen - darin waren sich französische und deutsche Freunde einig. (Fin)

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