Werratalschule Heringen

+++Unser Tag der offenen Tür für Viertklässler/-innen der umliegenden Grundschulen und Interessierte an unserer gymnasialen Oberstufe findet am Samstag, 05.11.2022, von 10 bis 14 Uhr statt.+++     

Ein emotionales Geschichtsprojekt

- Jugendliche der Werratalschule Heringen und der Eichelbergschule Berka lernen gemeinsam über das Leben mit der Mauer -

Für Jugendliche aus Thüringen ist die Mauer, die 28 Jahre unser Land in zwei Teile, ja zwei äußerst unterschiedliche Systeme teilte, genauso Geschichte wie für ihre hessischen Altersgenossen. Deshalb lag es nahe, gemeinsam dieser unbekannten Zeit diesseits und jenseits der Mauer nachzuspüren. Das dachten sich auch die Lehrerinnen Katja Gatzweiler von der Eichelbergschule Berka/Werra und Katja Riedel von der Werratalschule Heringen (WTS) und organisierten zusammen einen Projekttag, der kürzlich mit großem Erfolg an der WTS durchgeführt wurde. Dort präsentierten zunächst die WTS-Lehrkräfte Maria Brell und Stephan Danz den etwa 90 Jugendlichen aus dem 9. bzw. 10. Jahrgang beider Schulen Eingangsreferate zum politischen System der DDR und der deutsch-deutschen Politik dieser Zeit. Ein Film über den Fall der Mauer ließ die jungen Leute vor allem emotional nachempfinden, was dieser Teil der gemeinsamen Geschichte für ihre Eltern- bzw. Großelterngeneration bedeutet haben musste.

Aber „je weiter der Projekttag fortschritt, desto spannender wurde es“, so das Urteil einer Schülerin. Damit bezog sie sich auf den Besuch von drei Zeitzeugen und deren Berichte. Ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit war diesen drei Referenten dadurch gewiss, dass sie aus der unmittelbaren Nachbarschaft kamen - Berka, Vitzeroda bzw. Gerstungen und Dankmarshausen - und dass die Jugendlichen in thüringisch-hessisch gemischten Gruppen Fragen an die Zeitzeugen erarbeiteten, nachdem diese sich kurz vorgestellt hatten.

So vernahmen die jungen Zuhörer fast ungläubig, vor allem aber gerührt von Helmut Rackwitz (64), dem heutigen Leiter der Regelschule in Berka, wie kurz vor dem Mauerbau 1961 sein Vater aus Dippach in den Westen, also die ehemalige BRD, flüchtete und seine Familie in der DDR zurückließ. Von da ab beschränkte sich der Kontakt zwischen Vater und Sohn nur noch auf ein gelegentliches Zuwinken am Zaun.

Ebenso wie Rackwitz berichtete Simone Mosebach (49) vom alltäglichen Leben im sogenannten Sperrgebiet. Sie konnte nicht einmal unbeschwert ihren Kindergeburtstag feiern, da keine Gäste von außerhalb in die 500-Meter-Zone zur Grenze eingelassen wurden. 1985 wurde ihre Familie sogar nach Gerstungen umgesiedelt und ihr ursprüngliches Haus in Gasteroda/Vitzeroda von den DDR-Behörden abgerissen.

Fritz Ewald (68) hingegen war 1986 mit seiner Familie ins Sperrgebiet nach Dankmarshausen gezogen, um dort - übrigens bis 2014 - als Pfarrer tätig zu sein. Er sprach auch die Rolle der Kirche an und konnte ebenfalls von vielen interessanten, teilweise fast absurd anmutenden Erfahrungen des Lebens im Sperrgebiet berichten.

Es wurde durchaus deutlich, dass nicht grundsätzlich alles im DDR-Staat schlecht war, dass man sich arrangierte, vorsichtig zwischen „öffentlicher“ und „privater Meinung“ unterschied, dass dabei aber auch mitunter eine „Friedhofsruhe“ entstand, wie Ewald sich ausdrückte. Auch ein Leben in Freiheit - so wie es jetzt möglich ist - setze jedoch auch die Fähigkeiten der Verantwortung und Toleranz voraus. Darin waren sich Zeitzeugen wie Veranstalter einig.

Für die Jugendlichen aus Berka und Heringen war der Projekttag auf alle Fälle eine ganz wichtige Erfahrung, die von der WTS-Schülerin Anabel Heller folgendermaßen zusammengefasst wurden: „Menschen vermitteln im Gespräch eine ganz andere Sichtweise, als das unser Geschichtsbuch je hätte tun können!“ (Fin)

 

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