Wie spricht man "Demokratisch"?
- Projekttag zum Thema Grundrechte an der Werratalschule Heringen -

Ein Projekttag an der Werratalschule Heringen konfrontierte kürzlich 50 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mit genau dieser Frage. Denn eine aktive Demokratie benötigt Personen mit unterschiedlichen Ideen und Meinungen, die miteinander sprechen und häufig auch streiten. Aussagen nicht einfach hinnehmen, sondern widersprechen, diskutieren und debattieren, so spricht man Demokratisch!
Um dies zu vermitteln, hatte die Werratalschule zwei Experten des Vereins "die politiksprecher e.V." eingeladen, die mit den Jugendlichen das Projekt "Grundrechte-Arena" durchführten. In einem ersten Themenblock wurden die jungen Leute dabei ermutigt, ihre eigene Meinung offenzulegen und diese dann auch in einer Diskussion zu vertreten. Es zeigte sich, dass dies bei provokanten Thesen sehr schwer ist. In Gruppenarbeit wurde analysiert, wie Medien zur objektiven Meinungsbildung beitragen, aber auch, mit welchen Strategien sie die Leser manipulieren können.
In einem zweiten Themenblock sollten zwei Grundrechte miteinander konkurrieren: Religions- "gegen" Meinungsfreiheit. In Rollenspielen versuchten die Schülerinnen und Schüler, "ihr" Grundrecht in der Diskussion durchzusetzen, wobei die eigene Meinung meist sehr überzeugend vertreten wurde: Sogar das Jugendamt sollte eingeschaltet werden, um einer jungen Dame den Weg in ein Dasein als Nonne auch gegen den elterlichen Willen zu ermöglichen. Ganz nebenbei wurde auch ein wichtiger Teil des Lehrplans erfüllt und die Fähigkeit zur Grundrechtsabwägung eingeübt. Zwei Expertinnen des Vereins "Hessische Muslime für Demokratie und Vielfalt" stellten sich im Anschluss einer Fragerunde und Diskussion über Religion und Toleranz.
Zum Abschluss demonstrierte ein anschauliches Beispiel, wie es in einem Staat aussieht, in dem man seine Meinung nicht frei äußern und für sie streiten kann. Zu diesem Zweck trat der DDR-Zeitzeuge Thomas Raufeisen auf, der den Schülern von seinen persönlichen Erfahrungen mit einem Staat berichtete, der sich zwar demokratisch nannte, aber nicht Demokratisch sprach und sprechen lassen wollte. Unterstützt wurde er spontan von Steffen Böhme, Lehrer an der WTS und Zeitzeuge der DDR-Diktatur. Zwischen beiden Experten entwickelte sich ein spannendes Gespräch, das die Schülerinnen und Schüler durch die emotionalen Berichte "ihres" Lehrers zusätzlich in den Bann zog.
Alles in allem kann man von einer sehr gelungenen Veranstaltung sprechen, welche den Schülerinnen und Schülern erfolgreich vor Augen führte, wie essentiell es ist, sich zu positionieren und für seine Meinung zu streiten, anstatt gleichgültig die Meinung der anderen hinzunehmen. Oder wie es ein Schüler nach dem Projekttag formulierte: "Ich fand es richtig gut, mal aus der eigenen Komfortzone geholt zu werden." So kann davon ausgegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler dank dieses Projekts ihr Demokratisch stark verbessern konnten. (Wi)
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