"Mensch sein heißt verantwortlich sein."
- Akademieabend an der Werratalschule Heringen -

"Mensch sein heißt verantwortlich sein" - diese Erkenntnis von Antoine de Saint-Exupéry zog sich als Leitsatz durch den nunmehr fünfzehnten Akademieabend an der Werratalschule Heringen. In anschaulichen Vorträgen gingen Schülerinnen und Schüler der ersten beiden Oberstufenjahrgänge dem Rahmenthema "Verantwortung" aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln nach.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Michael Arendt lieferte zunächst Katja Riedel, eine der betreuenden Oberstufentutorinnen und Geschichtslehrerin, ein engagiertes Eingangsplädoyer. Sie spannte dabei einen Bogen von der unrühmlichen NS-Geschichte Deutschlands, in der nur allzu oft nicht genug Verantwortung getragen wurde, bis zum aktuellen Fall der umstrittenen Echo-Verleihung und bezog klar Stellung gegen die Beleidigung von Flüchtlingen und die Verunglimpfung von Auschwitzopfern. Ihr Hinweis auf das verantwortungsbewusste Engagement der Liedermacherin Bettina Wegener gegen das Unrechtsregime in der DDR wurde mit deren berührendem Lied "Kinder" eindrucksvoll illustriert.

Anschließend übernahmen die jungen Leute die Regie. So zeigten Elena Olmedo Viana und Max Leister das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Freiheit, Verantwortung und Schuld auf. Sie fragten sich zum Beispiel, ob ein Soldat - noch dazu der einer Fremdenlegion - Verantwortung für sein Handeln im Krieg trägt. Sie bezogen vor dem Hintergrund ihres Ethikunterrichts Positionen von Sigmund Freud, Jean-Paul Sartre und Immanuel Kant ein und kamen zu dem Schluss, dass sich dieser Frage nicht eindeutig beantworten lässt.

Lilly Herbst und Pia Weber näherten sich dem Thema aus religiöser Sicht und wollten klären, ob der Mensch dem Schöpfungsauftrag gerecht wird. Wirkt der Mensch ausschließlich negativ auf die Schöpfung ein, überschreitet er zum Beispiel mittels Gentechnologie seine Grenzen oder lassen sich auch positive, verantwortungsvolle Aspekte seines Handelns ausmachen?

Einer besonders bedrückenden Thematik widmeten sich Julia Lorenz und Larissa Mohr mit ihrem Vortrag zur Sterbehilfe. Sie stellten fest, dass sie christlich sicher nicht verantwortbar und ethisch umstritten ist. Um dem Thema noch besser gerecht zu werden, hatten sie sich professionelle Hilfe geholt und die Medizinerin Sarah Hoßfeld aus Stadtlengsfeld eingeladen. In einem beeindruckenden Vortrag erläuterte diese ihre eigene Position zum Thema. Während sie als Jugendliche durchaus der Legalisierung von Sterbehilfe zugestimmt hätte, brachten sie unter anderem ihre positiven Erfahrungen im Bereich der Palliativmedizin dazu, das Problem differenzierter zu sehen.

Im Bereich der Medizin blieben auch Überlegungen von Jan-Niklas Vogel und Niklas Weber, ob sich nicht mit bestimmten Verfahren der Krebs besiegen lassen könne.

Mit einem engagierten Erfahrungsbericht über ihre Teilnahme an der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz im Januar diesen Jahres knüpften Emily Sieler und Lea Gilbert wieder an die Eingangsworte ihrer Tutorin an und bilanzierten, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, unsere Geschichte nicht zu vergessen und verantwortungsbewusstes Handeln daraus abzuleiten.

Luisa Schäfer und Niklas Schäfer übernahmen gekonnt die Moderation, engagierte Mitschüler und Mitschülerinnen waren für eine zuvorkommende Bewirtung der Gäste in der Pause zuständig, und Lena Heinz (Gesang) und Maximilian Branz (Klavier) sorgten für eine einfühlsame musikalische Umrahmung. Schließlich konnte man in der Pause außerdem noch eine kleine, aber feine Kunstausstellung zum Thema "Sich ins Bild malen" anschauen. (Fin)
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