Die Odyssee im Klassenzimmer
Junges Theater Meiningen zu Gast an der Werratalschule Heringen

Im dritten Jahr in Folge hielt der Schauspieler Vivian Frey vom Jungen Theater Meiningen an zwei Tagen jeweils zwei sechste Klassen der Heringer Werratalschule in Atem. Er schaffte es, seinem jungen Publikum in dem sogenannten "Klassenzimmerstück" von Bruno Stori mit dem Titel "Die große Erzählung" in nur einer Zeitstunde die Odyssee nahezubringen.
Eine Zeitstunde kann bei einem so fremden Stoff für Sechstklässler durchaus lang sein, nicht jedoch für das Publikum von Vivian Frey. Mit vollem Körpereinsatz und sportlichem Talent sprang er auf Tische und Fensterbänke, suchte immer wieder die Begegnung mit den Jugendlichen, bezog sie in die Handlung ein und hielt ihre Aufmerksamkeit geschickt aufrecht.
Verpackt ist die Geschichte des griechischen Helden in die Rahmenhandlung von Rico, einem jungen Mann mit einem kindlichen Gemüt, der wiederum in Erfurt auf dem Bahnhof der Erzählung eines älteren Herrn lauscht. Und da er dabei so intensiv mitgeht, verpasst er prompt seinen Anschlusszug nach Heringen.
Vivian Frey verkörperte Rico äußerst überzeugend und mit wenigen Mitteln - einem Papierschiffchen, einem Besen, einer "Tüte voll Wind", einem Eimer, einem Feuerzeug, einem Hut, den Schultischen und nicht zuletzt der Tafel - ließ er die Irrfahrt des Odysseus im Klassenraum lebendig werden.
Besonders fasziniert waren die Schülerinnen und Schüler von der trickreichen Befreiung des Helden aus der Höhle des einäugigen Kyklopen, aber auch von der Heimkehr zu seiner treuen Gattin Penelope und seinem Spiel auf der Maultrommel.
Nach einem lebhaften Schlussapplaus zeigte sich Vivian Frey in der sich anschließenden Fragerunde beeindruckt, wie gut die jungen Zuschauer die Parallele zwischen der Irrfahrt des Odysseus und der von Rico erkannt hatten, und er erläuterte weitere Details zum Zustandekommen des Stückes. Auch zu seinem Werdegang als Schauspieler und seinem Berufsalltag bzw. zum alltäglichen Probenbetrieb am Theater befragte das interessierte Publikum seinen Gast.
Mit der Hoffnung, die jungen Leute eines Tages auch einmal im Meininger Theater begrüßen zu dürfen bzw. überhaupt das Interesse am Theater geweckt zu haben, verabschiedete sich Frey. Nach dem Interesse an seiner Darbietung zu urteilen, könnte diese Hoffnung durchaus realistisch sein. (Fin)
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