Erfinderlabor: Leuchtende Vorbilder - Tobias Bachmann von der Werratalschule Heringen forschte in Darmstadt zum Thema "Organische Elektronik" -

Tobias Bachmann, Oberstufenschüler der Werratalschule Heringen, hatte jetzt die Chance, im Dialog mit Wissenschaftlern kreativ und professionell zu forschen. Insgesamt sechzehn begabte Schüler und Schülerinnen aus sechzehn Schulen, ausgewählt aus 200 exzellenten Bewerbern aus ganz Hessen, beschäftigten sich eine Woche an der Technischen Universität Darmstadt im sogenannten "Erfinderlabor" mit dem Thema "Organische Elektronik".
Dieses Labor wird seit 2005 vom Zentrum für Chemie (ZFC) mit Sitz in Bensheim (Bergstraße) in Zusammenarbeit mit Universitäten und namhaften Industrieunternehmen und gefördert vom Hessischen Kultusministerium organisiert. Das Projekt greift Themengebiete auf, die im Unterricht nicht vorkommen oder nur partiell behandelt werden können. Mit seinen Veranstaltungen möchte das ZFC das Interesse und die Kreativität junger Menschen in den Naturwissenschaften und der Technik wecken und sie nachhaltig begeistern. Die Zusammenarbeit mit Industrie- und Hochschulpartnern ermöglicht den Teilnehmern einen Zugang zu aktuellen Forschungsthemen und -methoden.
Beim nunmehr 22. Erfinderlabor experimentierten jeweils vier Teilnehmer in vier Teams mit organischen Leuchtdioden und Solarzellen aus halbleitenden Materialien. Organische Leuchtdioden haben einen geringen Energiebedarf und können auf flexiblen Trägermaterialien aufgebracht werden. Die jungen Forscher fanden im Labor unter anderem heraus, dass deren Lichtausbeute entscheidend von der Orientierung der einzelnen Farbstoffmoleküle in der organischen Schicht abhängig ist, und sie untersuchten eine weitere Optimierung auf mikroskopischer Ebene. Ein Besuch beim Weltkonzern Merck in seinem Stammsitz Darmstadt rundete die Woche thematisch ab, bevor die Schülerteams vor großem Publikum, darunter Prominenz aus Wirtschaft, Hochschule und Ministerien, bei der Abschlussveranstaltung ihre Forschungsideen und Lösungswege präsentierten.
Tobias Bachmann berichtet begeistert von seinen Erfahrungen: "Mich faszinierten besonders die neuen chemischen Erkenntnisse und Versuche, die derart tiefgründig in der Schule nicht behandelt werden und wegen des hohen technischen Aufwandes kaum möglich sind. Dies eröffnet eine komplett neue Sichtweise auf die Chemie. Dadurch haben ich einen sehr guten Einblick in das Studium der Chemie und eine mögliche Karrierelaufbahn erlangen können, was mir in meiner Berufsorientierung sehr weiter geholfen hat."
Nicht nur die Schüler, auch die Profis waren begeistert. "Sie haben aus einem hoch komplexen Thema eine greifbare Botschaft extrahiert", lobte Prof. Matthias Rehahn vom Fachbereich Makromolekulare Chemie an der TU Darmstadt. In seiner Arbeitsgruppe wurden die Schüler drei Tage lang von wissenschaftlichen Mitarbeitern begleitet.
Stefanie Kohl-Krug, die Tobias Bachmann im Leistungskurs Chemie unterrichtet, hatte ihn auf das Erfinderlabor aufmerksam gemacht. Das Auswahlverfahren war äußerst streng, da sich logischerweise nur Jugendliche mit sehr guten Noten bewarben. Außerdem achtete man bei der Auswahl auf mögliches soziales Engagement der Bewerber. Dass ihr Schulsprecher Tobias Bachmann zu den sechzehn Ausgewählten gehörte und er während der Woche und beim Abschlussforum so eine gute Figur abgab, macht natürlich auch die Werratalschule Heringen stolz. Nach Julia Zaenker im Jahr 2011 und Parmpreet Singh im Jahr 2015 war Tobias nun schon der dritte Werratalschüler, der am Erfinderlabor teilnehmen durfte. Er strebt im Frühjahr 2018 sein Abitur an und wird in einem weiteren Jahr zusätzlich seine Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten abschließen. Diese doppelqualifizierende Ausbildung an der Werratalschule (Abitur plus CTA-Ausbildung) brachte Tobias eindeutig in der Praxis Vorteile. (Fin)
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