10 Jahre CTA-Ausbildung im Werratal - eine Erfolgsgeschichte!

"Abitur oder Berufsausbildung? - Bei uns gibt es beides! - Doppeltqualifizierender Bildungsgang CTA / Chemisch Technische Assistenz". Mit dieser Aufschrift begrüßte ein Banner die Gäste, die aus Anlass des 10-jährigen Bestehens dieses besonderen Bildungsmodells zu einem Festakt in die Aula der Werratalschule kamen.
Immer wieder betonten die Festredner, dass es sich um ein Erfolgsmodell handele. So erläuterte Michael Arendt, der Schulleiter der Werratalschule (WTS) Heringen, die "Win-win-win-Situation". Die Absolventen gehen mit Abitur und abgeschlossener Berufsausbildung ab und sind zudem gut gerüstet für ein mögliches Studium. Viele bleiben nach der Ausbildung bei K+S, einem der drei wichtigen Kooperationspartner, und bringen sich dort konstruktiv ein. Und schließlich profitieren die beiden beteiligten Schulen, die Werratalschule Heringen und die Beruflichen Schulen Bad Hersfeld mit ihrer Außenstelle Heimboldshausen, indem dieses Ausbildungsangebot ihre Attraktivität steigert. Arendt hob weitere Beteiligte und Unterstützer des Entwicklungsprozesses hervor, ganz besonders das Staatliche Schulamt, den Landkreis, die Stadt Heringen und den Förderverein der WTS. Mit einem Blumenstrauß dankte er der ersten Koordinatorin seiner Schule, Hannelore Heymann, die vor einem Monat in den Ruhestand verabschiedet worden war. Ferner wies Arendt darauf hin, dass es bereits eine erfreuliche Anzahl von Anmeldungen für den Einstieg in die CTA-Ausbildung ab dem kommenden Schuljahr gebe.
Dr. Thomas Nöcker vom Vorstand der K+S AG machte in seinem Grußwort keinen Hehl daraus, dass er vor über zehn Jahren eher skeptisch war: "Zwei Schulen und ein Unternehmen - Wie sollen die denn zusammenfinden?" Er zeichnete den durchaus kontroversen, lebhaften Prozess der Entscheidungsfindung in seinem Unternehmen nach und erkannte an, dass es sich um eine Erfolgsgeschichte handele und dass die Absolventen durchweg gute Abschlüsse machen.
Anita Hofmann, die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamtes dankte anschließend noch einmal allen Beteiligten für ihre "Einsatzbereitschaft für ein einmaliges Bildungsprojekt in unserem Bundesland" und erinnerte an die damalige prekäre Situation der gymnasialen Oberstufe der WTS: "Es standen Zahlen auf dem Prüfstand." Ihren Kollegen Gerhard Finke charakterisierte sie als eigentlichen Ideenfinder für die CTA-Ausbildung und hob hervor, wie beharrlich er mit dem Hessischen Kultusministerium verhandelte und die Schulen konzeptionell betreute, bis es schließlich zum Kooperationsvertrag zwischen K+S und den beiden Schulen sowie zum Startschuss der Ausbildung im Schuljahr 2007/08 kam. Hofmann dankte bei der Gelegenheit auch allen Ausbildern bei K+S und Lehrkräften an beiden Schulen.

Bürgermeister Daniel Iliev betonte die Bedeutung der Kooperation von Schule und Wirtschaft gerade im ländlichen Bereich und sicherte die weitere Unterstützung der Stadt zu. Auch Landtagsabgeordneter Torsten Warnecke zeigte sich erfreut über die zur Normalität gewordene Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft.
Silke Dietrich, selbst ehemalige Schülerin der WTS, die als Ausbilderin bei K+S das CTA-Modell von Anfang begleitete, moderierte im Anschluss an die Grußworte geschickt eine Podiumsrunde zum Werdegang von "Ehemaligen" und half damit, die vorausgegangenen, teilweise theoretischen Ausführungen mit Leben zu füllen. Von den zahlreichen anwesenden Ehemaligen stellten sich sieben den Fragen ihrer damaligen Ausbilderin. Dietrich hatte sie in drei "Blöcken" angeordnet. So berichteten zunächst Lisa Rotbauer (Abschluss 2016) und Jasmin Helbig (Abschluss 2014), die bei K+S geblieben sind, anschaulich von ihrer Arbeit, wobei Helbig am Forschungsinstitut (AFZ) tätig ist.
Weitere drei "Ehemalige" erklärten, inwiefern sie von ihrer CTA-Ausbildung beim Studium profitieren. Markus Lange (Abschluss 2013) hat bereits seinen Bachelor in Chemie an der Universität Jena und betreut während seines Masterstudiums inzwischen selbst Studenten im Labor. Juliane Apelt gehörte zu den ersten Absolventen (Abschluss 2011), hat bereits ihren Bachelor- und Masterabschluss in der Tasche, beginnt gerade bei K+S mit ihrer Doktorarbeit und fühlt sich von dem Unternehmen bei diesem Vorhaben besonders gut unterstützt. Bianca Lauer (Abschluss 2016) kann zwar bei ihrem Studium der Zahnmedizin die CTA-Ausbildung nicht anrechnen lassen, profitiert aber auch bei ihrer Studienrichtung von den Erfahrungen, die sie während ihrer CTA-Ausbildung im Labor sammeln konnte.
Eine dritte Variante eines "CTA-Werdegangs" präsentierten Ann-Kathrin Krapp (Abschluss 2016) und Timo Frömel (Abschluss 2014). Krapp ist seit einem halben Jahr bei B. Braun Melsungen angestellt und wird im August ihr duales Studium der Pharmatechnik in der Nähe von Magdeburg beginnen. Auch Frömel ist in Melsungen beruflich tätig, allerdings bei der wesentlich kleineren Firma Solupharm. Er hat bereits ein Semester seines dualen Studiums, nämlich ebenfalls Pharmatechnik in Lemgo, absolviert und ist froh, dabei von seiner Firma auch finanziell unterstützt zu werden.
Zur Moderatorin Silke Dietrich gesellte sich schließlich noch Tobias Bachmann, nicht nur CTA-Schüler an der WTS, sondern auch deren Schulsprecher. Gewissermaßen im Auftrag seiner aktuellen CTA-Mitschüler und Mitschülerinnen richtete er noch einige Fragen an die "Vorgänger", deren Antworten allesamt motivieren dürften, an der CTA-Ausbildung festzuhalten. Tobias Bachmann war bereits zu Beginn der Veranstaltung genannt worden als der nunmehr dritte Kandidat der WTS, der sich für das sogenannte "Erfinderlabor" qualifiziert hatte. Dabei handelt es sich um einen einwöchigen Forschungsworkshop, den das Zentrum für Chemie in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Goethe-Universität einmal jährlich ausrichtet.
Der Festakt, der vom Schulorchester der WTS unter Leitung von Andrea Baaske und Josef Riedl sowie mit einem Stück von Chopin am Klavier durch Sergey Kustov musikalisch umrahmt worden war, fand - passend - seinen Abschluss mit dem "Steigermarsch". Bei einem anschließenden Imbiss tauschten sich noch ehemalige und aktuelle Absolventen, Ausbilder und Auszubildende sowie Förderer aus. Schließlich kann man noch zu Hause in der Festschrift blättern, in der u.a. viele weitere Erfahrungsberichte abgedruckt sind. (Fin)

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