Tag der Verkehrssicherheit an der Werratalschule Heringen

Viele Schülerinnen und Schüler der älteren Jahrgänge fiebern ihrer Führerscheinprüfung entgegen und vor allem dem Zeitpunkt, ab dem sie unabhängig von den "Fahrdiensten" ihrer Eltern oder älteren Geschwister sind. Der Werratalschule ist es ein Anliegen, diese künftigen Verkehrsteilnehmer jedoch auch für die Gefahren und Risiken zu sensibilisieren, die auf der Straße lauern oder die sie gar durch überhöhte Geschwindigkeit, den Konsum von Alkohol oder die Bedienung eines Handys selbst zu verantworten haben.
Deshalb führte die Schule einen groß angelegten Verkehrssicherheitstag durch. Während des Vormittags durchliefen insgesamt etwa 140 Schülerinnen und Schüler der höheren Haupt- und Realschulklassen sowie der gymnasialen Oberstufe in 12 Teilgruppen einen interaktiven Parcours von vier Stationen. Überall gab es wichtige Tipps und Hintergrundinformationen. Besonders eindrücklich waren aber die Tests und Simulationen, die die Jugendlichen am eigenen Leib erfuhren. So konnten sie an der Station des "Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr" (B.A.D.S.) in einem Pkw-Fahrsimulator ihre Reaktionsfähigkeit testen, und zwar nüchtern und unter simuliertem Alkoholeinfluss. Relativ häufig kam es dabei zu "Unfällen", die auf einem Bildschirm so einprägsam dargestellt wurden, dass auch manch ein Zuschauer zusammenzuckte. Geduldig erklärten Thomas Will und Holger Brauner vom B.A.D.S. den jeweiligen Testpersonen die ebenfalls auf dem Bildschirm ausgeworfenen Daten und somit die möglicherweise fatalen Auswirkungen eines Fahrens unter Alkoholeinfluss.
Thematisch passend gehörten zur selben Station auch ein Infostand der Polizei, an dem Polizeioberkommissarin Carmen Brandes die jungen Leute mittels eines sogenannten Agility-Boards deren uneingeschränkte bzw. eingeschränkte Reaktionsfähigkeit erproben ließ. Arthur Möller von der "Stiftung zur Vermeidung von Verkehrsopfern in Deutschland" (VvV) ließ sie auf einem Reziprokfahrrad erkennen, wie leicht man seine eigenen Fähigkeiten im Straßenverkehr überschätzen kann.
Ein Großaufgebot an Ehrenamtlichen der Kreisverkehrswacht Hersfeld-Rotenburg unter Leitung von Reinhold Bleß komplettierte an einer anderen Station das Angebot an Simulationsmöglichkeiten mit einem Motorradsimulator, einem Gefahrenerkennungsprogramm und einem Rauschbrillenparcours und bot außerdem einen Sehtest an. Was aber, wenn es doch einmal zu einem Unfall kommt? Hier konnten die Jugendlichen in einem Überschlagsimulator üben, wie man aus einem auf dem Dach liegenden Pkw aussteigt, ohne sich dabei weitere Verletzungen zuzuziehen - eine sicher sinnvolle Übung, die aber hoffentlich niemals für die Jugendlichen zur Realität wird.
Ein ähnlicher Leitgedanke charakterisierte zwei weitere Stationen. Mit sechs Ehrenamtlichen unter der Leitung des stellvertretenden Stadtbrandinspektors Guido Kamm stellte die Feuerwehr Geräte vor, die bei einem Verkehrsunfall zum Einsatz kommen können. Einerseits beeindruckte die jungen Leute das Engagement und die gute Ausrüstung der so wichtigen freiwilligen Helfer. Andererseits beschlich sicher den ein oder anderen beim Bedienen der hydraulischen Rettungsgeräte an einem zertrümmerten Auto auch der Wunsch, möglichst nie selbst zum Unfallopfer zu werden, solche beklagen oder gar selbst verantworten zu müssen.
Die neun ehrenamtlichen Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes um Ausbildungsleiter Matthias Weiß schließlich ließen die Jugendlichen wichtige Verhaltensweisen am Unfallort einüben, die jeder Verkehrsteilnehmer präsent haben sollte. Der Aktionstag fand seinen Abschluss in einer nachmittäglichen Podiumsveranstaltung in der Aula der Schule. Polizeioberkommissar Christopher Pfaff stellte unter Einbeziehung des Publikums noch einmal eindrücklich Hauptunfallursachen und jugendspezifische Risiken dar. Außerdem berichtete Melanie Hetzer, die als Pfarrerin in Kirchheim auch in der Notfallseelsorge tätig und zudem bei der dortigen freiwilligen Feuerwehr engagiert ist, von ihren Erfahrungen am Unfallort oder in der Begegnung mit Angehörigen, die Unfalltote zu beklagen haben. Die Palette der Erfahrungen wurde um die des Rettungssänitäters Baris Cokgenc vom DRK ergänzt. Wenn auch alle drei Referenten eine andere Perspektive auf die Problematik aufzeigten und die jugendliche, zeitweise äußerst betroffene Zuhörerschaft jeweils ganz unterschiedlich ansprachen, so stimmten sie überein in ihrem eindringlichen Appell an das Verantwortungsbewusstsein der künftigen Verkehrsteilnehmer. Martin Sieber von der Werratalschule Heringen, der diesen Tag federführend organisiert hatte, zog folgende Bilanz: "Es war für uns alle, vor allem aber für die Jugendlichen, ein ausgesprochen lehrreicher Tag. Ich danke dem Einsatz aller Beteiligten - außerschulisch wie innerschulisch - und wir alle hoffen auf eine nachhaltige Wirkung des Tages im Sinne größtmöglicher Verkehrssicherheit." (Fin)
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