Im Andenken an den Widerstand
- Studientag der Abiturienten der Werratalschule in Imshausen -
Eine Schülerin berichtet

Die dunkelsten Tage der deutschen Geschichte, die Zeit der Diktatur der Nationalsozialisten unter der Führung Adolf Hitlers und die damit verbundenen Verbrechen und Schandtaten, werden wohl noch lange in der Erinnerung der Deutschen bleiben.
Im Wind wehende rote Flaggen, die in der Mitte das Hakenkreuz, das Symbol der NSDAP, tragen; tausende Menschen, begeistert jubelnd und im Gleichschritt marschierend; Leid und Elend inmitten der Trümmerfelder der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges; die millionenfache Ermordung von Menschen in Konzentrations- und Vernichtungslagern. - Dies alles sind Bilder, die wir heute mit jener Zeit in Erinnerung bringen. Bilder, die für viele unbegreiflich und unvorstellbar bleiben. Bilder, die so manchen für einen Moment innehalten lassen, sprachlos werden lassen. Und schließlich Bilder, die viele Fragen aufwerfen.
Wie konnte es so weit kommen? Woher stammte diese Euphorie und Begeisterung? Wie lässt sich diese Ohnmacht, diese Blindheit eines ganzen Volkes erklären? Wieso hat in dieser Gesellschaft aus "Ja"-Sagern denn niemand etwas gegen diese Diktatur unternommen? Hat wirklich niemand versucht, Widerstand zu leisten?

Die Antwort lautet: Doch!
Gemeinsam mit unseren Geschichtslehrern Frau Riedel, Herrn Danz und Frau Wolf setzten wir, der gesamte Jahrgang Q3, uns mit eben jenen Personen auseinander, die durch ihren Widerstand versucht haben, der schrecklichen NS-Diktatur ein Ende zu setzen.
Dafür begaben wir uns an unserem Studientag im November ins wald- und hügelreiche Imshausen, die Heimat des Widerstandskämpfers Adam von Trott. Denn dort, nur wenige Kilometer von Heringen entfernt, befindet sich das Herrenhaus, welches lange Zeit Sitz der Familie von Trott zu Solz gewesen ist und nun die Adam von Trott - Stiftung beherbergt.
Nachdem wir uns alle an der großen Tafel zusammengefunden haben, begrüßte uns Frau Janßen, Geschäftsführerin der Stiftung. Durch einen halbstündigen Film sowie eine Führung durch das ehemalige Anwesen der von Trotts erhielten wir einen guten Eindruck von der Person und der Familie von Adam von Trott.
Anschließend begann unsere Projektarbeit, die wir bereits im Unterricht vorbereitet hatten. In Gruppen von drei bis vier Personen erarbeiteten wir Vorträge und Plakate zu Widerstandskämpfern wie Adam von Trott, Claus Graf Schenk von Stauffenberg, den Geschwistern Scholl und vielen mehr. Die Ergebnisse unserer Arbeit stellten wir schließlich nicht nur im Unterricht, sondern auch in einer Ausstellung am "Tag der offenen Tür" vor. Nachdem wir uns mit dem Mittagessen gestärkt, die Plakate fertig gestellt und aufgeräumt hatten, begaben wir uns schließlich gemeinsam zum Gedenkkreuz, wo wir im Namen unserer Schule einen Kranz niederlegten und in einer Schweigeminute all jener gedachten, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen das NS-Regime gewehrt haben.
Wichtig bleibt, dass die Erinnerung an diese Vorbilder aufrecht erhalten bleibt, dass wir, auch in Zeiten des Umbruchs, nicht vergessen dürfen, selbstständig zu denken und bereit sind, Gegebenes und Neues zu hinterfragen. Dass wir die Möglichkeiten unserer Freiheit nutzen sollen, um eben diese und unsere - heutzutage leider schon zu selbstverständlich angesehene - Demokratie zu schützen. Daher hoffen wir, dass die Studientage in Imshausen weiterhin ein Bestandteil des Geschichtsunterrichts bleiben, denn dieses Seminar erlaubte es uns, die Bedeutung der Courage und des Widerstandes noch viel bewusster wahrzunehmen.
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