25 Jahre Grenzöffnung - Werratalschule Heringen gestaltet Projekttag

Aus Anlass dieses wichtigen Jubiläums führte die Werratalschule Heringen am Freitag, dem 7. November, einen Projekttag durch, an dem alle Klassen themenbezogene Aktivitäten veranstalteten. Einige Gruppen besuchten Point Alpha, andere informierten sich in anderen Grenzmuseen in der Region. Wieder andere holten Zeitzeugen in die Schule, die sie über das Leben in der DDR und an der so menschenverachtenden Grenzanlage interviewten. In der Schülerzeitung SOWIESO, die kurz vor Weihnachten erscheint, werden zurzeit Berichte von Lehrkräften gesammelt, in denen sie ihre Eindrücke vom Leben im geteilten Deutschland bzw. von der Grenzöffnung schildern. Auch von den Aktivitäten des Projekttages wird in dieser Ausgabe der Schülerzeitung zu lesen sein.
Im Folgenden drucken wir zwei dieser Artikel ab, und zwar einen von einer Abiturientin und einen von einer Fünftklässlerin. (Fin)

Freiheit, Gemeinschaft, Demokratie!
(von Bianca Lauer, Jahrgang Q3)

Der 9.November 1989. Ein Tag in der Geschichte Deutschlands, der unvergesslich ist. Tausende Menschen pilgern spät abends zur Berliner Mauer und rufen "Wir sind das Volk!".
Der Untergang der DDR und somit auch das Ende der Mauer sind inzwischen 25 Jahre her. Zum Gedenken an diesen glorreichen Tag, zur Erinnerung an die Wiedervereinigung, entschloss sich die Werratalschule dazu, einen Projekttag zu gestalten, an welchem jede Klasse ihren Beitrag leisten konnte.
Für die gymnasiale Oberstufe stand eine einleitende Reportage über das Leben in der DDR bis zum Mauerfall und das Gestalten einer eigenen "Mauer" auf dem Programm. Besonderes Highlight waren allerdings die Zeitzeugenberichte von dem Großvater einer Schülerin, Herrn Manfred Schrön, und dem ehemaligen Pfarrer aus Dankmarshausen, Herrn Fritz Ewald. Herrn Schrön war es gelungen, in jungen Jahren unbemerkt, zu später Stunde, unter dem Zaun im Grenzgebiet bei Dippach durchzukriechen, um in den Westen zu kommen. Er selbst beschreibt die Gefühle, die er damals hatte, als unbeschreiblich und gleichzeitig grausam. Denn als er aus dem "Westen" auf den Zaun blickte, der durch das Mondlicht hell erleuchtet schien, wurde ihm nur zu deutlich klar, welche Grausamkeit die Teilung Deutschlands darstellte.
Auch Herr Ewald hatte es nicht leicht. Er litt bereits in frühen Jahren unter dem Regime der DDR, denn seine Familie bekannte sich öffentlich zu ihrem christlichen Glauben. "Ich wurde in der Schule aus bestimmten Projekten ausgeschlossen und durfte kein Gymnasium besuchen, weil ich dazu erzogen wurde, an Gott zu glauben", erzählte er. Über einen beruflichen Umweg sei er Pfarrer geworden, und gerade durch seine Berufung habe er gewusst, was die Leute tatsächlich bewegte. Durch seinen Umzug in das Grenzgebiet nach Dankmarshausen sei ihm besonders klar geworden, wie heikel die Lage war. Menschen trauten sich nicht zu sagen, was sie dachten. Bereits durch einen einfachen Satz, wie "Ich geh jetzt mal rüber", drohten einem die Umsiedlung und das sofortige Verbot, jemals wieder in das eigene Haus zurückzukehren. Herr Ewald sei belehrt worden, bloß nicht zu offen zu sprechen, denn "die Stasi hat überall Ihre Leute". Probleme bei Ein- und Ausreisen, Flucht, die Angst vor der Staatssicherheit, die Frage: "Wieso haben wir nicht die gleichen Freiheiten wie die Bevölkerung im Westen?", all diese Dinge waren alltäglich im Leben in der DDR.
Behält man die aktuellen Geschehnisse in der Politik in Thüringen im Hinterkopf, wird sehr deutlich, wie wichtig es ist, daran zu erinnern, was vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland geschah. Freiheit, Gemeinschaft, Demokratie - das waren drei der meistbenutzten Begriffe, die die Schüler auf die Papiermauer schrieben. Drei Wörter, die vor 25 Jahren ein Volk wieder vereinten und bis heute, in Verbindung mit dem Gedenken an den Mauerfall, Gänsehaut verursachen.
Es war ein Projekttag voller Emotionen und den Geschichten zweier Helden, die die Schülerinnen und Schüler so schnell nicht vergessen werden.

25 Jahre Grenzöffnung
(von Erin Keßler, Klasse 5G1)

25 Jahre ist es her, dass das heutige Deutschland einmal geteilt war. Aber warum eigentlich? Zu diesem Anlass waren wir, die Klassen 5G1 und 5G2, im Grenzmuseum in Philippsthal. Dort trafen wir Frau Herrmann, die bereits viele Jahre in der Gemeinde tätig war. Sie führte uns in einen Raum mit einem Fernseher, wo wir einen Film über das Thema anschauten. Der Film zeigte einige Bilder über das Leben an der Grenze, zum Beispiel eine alte Dame, die ihren Enkel regelmäßig auf der anderen Seite besuchte, was aber bald nicht mehr möglich war. Der Film hat uns nämlich gezeigt, dass die Grenze immer schlimmer wurde. Es wurden Selbstschussanlagen gebaut. Die Grenzzäune wurden immer höher. Es kam ein Stacheldraht dran, und irgendwann waren Zaun und Mauer unüberwindbar.
Als der Film vorbei war, sind wir ins Treppenhaus gegangen, weil dort verschiedene Modelle von Wachtürmen standen. Anschließend sind wir in das Mittelgeschoss gegangen und haben uns ein Sandkastenmodell angeschaut, wo kleine Häuser standen und die Grenzbefestigung zu sehen war. Im selben Raum stand noch ein Stück Grenzzaun, woran wir ausprobiert haben, wie schwer es war, die Grenze zu überwinden. Nur mit speziellen Schuhen konnte man darüber klettern. Es standen auch noch eine Mine und alte Grenzschilder dort. Wir haben uns alles gut angeschaut, auch die Fotos von der Grenzöffnung im Erdgeschoss des Museums. Dann haben wir uns von Frau Herrmann verabschiedet.
Wir sind zur Brücke nach Vacha gelaufen, wo uns schon Herr Höland erwartete. Diese Brücke ist schon sehr alt, da sie schon im Mittelalter gebaut worden ist. Als die Brücke im Jahr 1342 durch die Werra zerstört wurde und beim Neubau die Bögen immer wieder einstürzten, entschloss man sich angeblich, ein Kind zu opfern und einzumauern, weil man glaubte, dadurch würde die Brücke unzerstörbar. Aber natürlich ist das nur eine Sage. Was wirklich passiert ist, weiß keiner so genau. Während wir auf der Brücke Richtung Vacha gingen, hat uns Herr Höland den Wachturm und ein Stück Mauer gezeigt, was von der alten Grenzbefestigung noch stehen geblieben ist. Außerdem hat er uns vom Leben in der ehemaligen DDR berichtet. In Vacha angelangt, haben wir das Rathaus besichtigt, das von Caspar Hans Weber gebaut worden war, der Name steht übrigens im Giebel des Gebäudes. Dann sind wir noch durch die Stadt gelaufen und haben Wege entdeckt, die wir sonst vielleicht nie gelaufen wären.
Anschließend liefen wir wieder nach Philippsthal, am Grenzmuseum vorbei zur Schule, weil dort schon der Linienbus nach Heringen stand und auf uns wartete.
Es hat viel Spaß gemacht und wir haben, denke ich, auch viel gelernt.
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