7G1 und 7G2 forschten im größten innerstädtischen Naturschutzgebiet

Die Dönche ist ein Naturschutzgebiet in der nordhessischen Großstadt Kassel und zählt zu den flächenmäßig größten innerstädtischen Grünanlagen Deutschland. Das Landschaftsbild der Dönche ist durch Tümpel und Hochstaudenfluren, sowie kleine Erlen- und Eschenwälder gekennzeichnet. Seit rund 35 Jahren befindet sich in diesem Gebiet ein Freilandlabor, in welchem die Lehramtsstudierenden der Universität Kassel und Schulklassen arbeiten können. Seit 2011 bietet die Didaktik der Biologie die Experimentier-Werkstatt FLOX als außerschulischen Lernort an. Die Schülerinnen und Schüler können in speziell konzipierten Lernmodulen selbständig offene Forschungsfragen in den Räumen der Universität oder eben im Freilandlabor bearbeiten und erhalten die kompetente Unterstützung durch die Studierenden der Universität.
Nach der pünktlichen Ankunft mit den öffentlich Verkehrsmitteln und der Begrüßung durch die Verantwortliche Dr. Claudia Wulff und ihren Assistenten, sollten die Schülerinnen und Schüler zunächst das Forschungsgebiet erkunden und dabei etwas weißes oder schwarzes, etwas merkwürdiges, kurioses oder besonderes mitbringen. Schnell waren weiße Blüten oder Blätter und schwarze Vogelfedern gefunden. Doch die Sammlung enthielt auch einen Autoreifen, ein Geschirrtuch, einige Luftschlangen, diverse Scherben und vieles mehr. Schnell wurde den Forschern klar, dass die Dönche nicht schon immer ein Naturschutzgebiet war und dass das Areal auch heute für Feten und Grillpartys genutzt wird.
Mit der Dönche werden auch schreckliche Erinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. So diente das Gelände als Vollstreckungsort von Erschießungskommandos und wurde in der Nachkriegszeit auch als Truppenübungsplatz genutzt. So verwundert auch der Fund einer intakten G3-Platzpatrone und merkwürdig geformter Metallteile nicht.
In Kleingruppen wurden dann die verschiedenen Tümpel, der Boden und das Totholz genauer untersucht. Zunächst wurden in dem jeweiligen Bereich die Tiere mit Keschern, kleinen Gefäßen oder der bloßen Hand gefangen. Bekannte Tiere wurden sofort bestimmt. Viele der gefangenen Tiere waren allerdings unbekannt oder "namenlos". Die gesammelten Tiere wurden dann mithilfe von Binokularen und Mikroskopen und einer großen Anzahl an verschiedener Bestimmungsliteratur bestimmt. Es gab besonders kleine, besonders niedliche und besonders eklige Tiere.
Als besonders furchterregendes Tier konnte die Larve des Gelbrandkäfers beschrieben werden. Die Larven sind ungefähr sechs bis acht Zentimeter groß und leben räuberisch. Sie haben ein kräftiges Mundwerkzeug mit dem sie ihre Opfer packen und dann aussaugen. Schnell wurde die Gelbrandkäferlarve aus dem Eimer mit den Molchen entfernt. Die Molche, die nur kurz eingefangen und dann sofort wieder an gleicher Stelle freigelassen wurden, waren für alle Teilnehmer besonders hübsche Geschöpfe. Der Teichmolch hat eine Körperlänge von höchstens elf Zentimetern. Er hat eine gelbbraune bis schwarzgraue Färbung und einen besonders auffällig orangefarbenen Bauch. Besonders gut konnte die Bauchfärbung durch eine transparente Kunststoffwanne beobachtet werden. Einige männliche Molche hatten zudem einen sehr beeindruckenden Hautkamm, welcher gewellt und relativ hoch im Verhältnis zum Körper des Molches sofort ins Auge stach.
Nachdem die Forschergruppen die Tiere in ihrem Lebensraum beobachtet und anschließend bestimmt hatten, konnten erste Experimente entwickelt und durchgeführt werden. Dabei stellten sich die kleinen flinken Tiere als äußerst empfindliche Untersuchungsobjekte heraus. Insbesondere der Saftkugler rollte sich immer wieder aus dem Experiment heraus. Eine Gruppe untersuchte beispielsweise, welche Lichtintensität von einer Assel präferiert wird. Dabei konnte sich die Assel in einer Schale frei bewegen. Ein Teil der Untersuchungsfläche wurde abgedunkelt und ein anderer Teil beleuchtet. Schnell stellte sich heraus, dass sich die Assel lieber im dunklen Bereich der Schale aufhält. Ganz ähnlich wurde auch der optimale Feuchtigkeitsgehalt für eine Assel ermittelt. Die Forscher stellten zunächst die Hypothese auf, dass die Assel eher eine feuchte Umgebung bevorzugt, da sie im feuchten, kühlen und dunklen Totholz gefunden wurde. Tatsächlich konnten die Forscher ihre Hypothese verifizieren.
Viele weitere Forschungsfragen mussten zunächst unbearbeitet bleiben. Denn nach einer kurzen Eispause am Bahnhof musste bereits die Heimreise angetreten werden.
Wir danken dem Team von FLOX für die "chillige" Betreuung und den schönen Tag.


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