"Niemand war dabei und keiner hat's gewusst"

Seminar der Q3 zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Imshausen von Nico Blaurock, Q3

Der Nationalsozialismus in Deutschland - allen voran die Shoa, der Völkermord an der jüdischen Bevölkerung, als Sinnbild aller durch ihn begangenen Verbrechen - war definitiv die grausamste und menschenverachtendste Diktatur aller Zeiten. Wer dem NS-Ideal entsprach, konnte relativ gut leben, wer von ihm abwich, wurde terrorisiert. Der von ihr ausgelöste zweite Weltkrieg hat Millionen von Menschen als Opfer gefordert, Deutschland, weite Teile Europas und weitere Kriegsschauplätze rund um den Globus wurden dem Erdboden gleich gemacht. Mindestens genauso erschreckend wie der Gedanke an das dritte Reich selbst ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass der allergrößte Teil der Deutschen dies alles toleriert hat. Sicherlich waren nicht alle überzeugte Nazis und die allerwenigsten haben aktiv an Verbrechen mitgewirkt - die breite Masse der damaligen Gesellschaft aber hat das NS-Regime zumindest toleriert. Auch wenn vieles, was eine Revolte in der Bevölkerung hätte auslösen können, durch die Staatsführung geschickt verschleiert wurde - die unmenschliche Ideologie der NSDAP war dem Volk bewusst!
Davon, dass es aber auch eine - leider sehr, sehr kleine - Zahl von äußerst ehrenhaften Menschen gab, die all das nicht ohne Weiteres hinnehmen wollten und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihr Leben im Kampf für andere aufgaben, konnte sich der Jahrgang Q3 zusammen mit seinen Tutoren Frau Riedel, Herr Danz und Herr Ingrisch am 7. und 8. November 2013 in der Adam-von-Trott-Stiftung Imshausen überzeugen. Das zweitägige Seminar auf dem einstigen Herrensitz des Adams von Trott, der einst die Verbindung zwischen den Widerstandskämpfern um Graf von Stauffenberg und dem Kreisauer Kreis herstellte und so erst das Attentat auf Adolf Hitler im Juli 1944 ermöglichte, stand ganz im Zeichen des Widerstandes gegen das grausame NS-Regime.

Wir erarbeiteten in Kleingruppen von zwei Personen Plakate oder Vorträge zu ausgewählten Widerstandskämpfern, unter anderen zu den Geschwistern Scholl, Graf von Stauffenerg und natürlich zu von Trott selbst. Neben der Suche von Informationen im Internet standen uns während der Erarbeitungsphasen vor Ort auch zwei gut ausgestattete Bibliotheken mit dem Themenschwerpunkt Nationalsozialismus zur Nutzung bereit - die Möglichkeit, auch einmal eine Recherchemethode zu verwenden, die im 21. Jahrhundert von Schülern leider so gut wie nicht mehr genutzt wird. Die Atmosphäre in dem einstigen Herrenhaus war wirklich beeindruckend, ein vertieftes Arbeiten war durch die Übernachtung vor Ort perfekt möglich.


Neben dem selbstständigen Arbeiten an den Projekten stand ebenso eine Wanderung zum Imshäuser Gedenkkreuz für die Widerstandskämpfer auf dem Programm. Nach dem kurzen Fußmarsch zum Kreuz nutzte Herr Ingrisch die Möglichkeit, in einer kurzen Gedenkrede darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen wie von Trott im Kampf für einen freiheitlichen Staat in den Tod gegangen sind - für etwas, das in der heutigen Gesellschaft fälschlicherweise häufig als selbstverständlich angesehen wird. Nachdem von den drei Kurssprechern Marie-Helen Blank, Jessica Ray (stellvertretend für Stefanie Weil) und Maximilian Mohr ein Gedenkkranz am Kreuz niedergelegt wurde, legten wir eine Gedenkminute ein. Den Abend gestalteten wir mit themenbezogenen Filmen - "Sophie Scholl - Die letzten Tage" und "Stauffenberg" - aus.

Trotz des Themas, welches fraglos die dunkelste Seite deutscher Geschichte darstellt, bot sich noch genug Möglichkeit das tolle Ambiente vor Ort zu genießen, zusammen zu kochen und zu essen und den Abend mit Gesellschaftsspielen bis spät in die Nacht ausklingen zu lassen.

Fazit: zwei sehr intensive und wertvolle Tage vor beeindruckender Kulisse, welche ganz sicher zum Nachdenken anregen und hoffentlich zur Tradition an der Werratalschule werden!

Gedenken am Kreuz

Wir sind nun hier zusammengekommen um Adam v. Trott zu gedenken. Dem Widerstandkämpfer in dessen Familienstammsitz wir uns heute und morgen aufhalten.

Er war einer der Männer des 20. Julis die versuchten Hitler zu töten und den 2. Weltkrieg früher zu beenden. Insbesondere auch die Massenvernichtungen sollten gestoppt werden. Damit ist er uns allen Vorbild. Vorbild weil er einer der ganz Wenigen war, die in dieser Zeit der Dunkelheit aufstanden und sagten: "So nicht weiter, nicht mit mir".

In dem Moment in dem sie dies taten war Ihnen ganz klar, dass dies ihr Leben kosten könnte...und sie hatten, jung wie sie waren, Frauen und kleine Kinder. Und trotzdem taten sie es weil sie nicht ertragen konnten was im Namen Deutschlands geschah, weil sie die Verantwortung fühlten aktiv werden zu müssen. Nicht zuletzt dem Ausland zeigten sie damit, dass nicht alle Deutschen Nazis und Verbrecher waren.

Wir, die wir heute ganz selbstverständlich in Freiheit und Demokratie leben machen uns oft nicht klar, dass dies eben keine Selbstverständlichkeiten sind. Menschen wie Adam v. Trott oder auch Sophie Scholl sind für Freiheit und Demokratie gestorben und damit sind sie auch irgendwie für uns gestorben.

Im Angesicht dieses Gedenksteins sollten wir, die wir heute so unbeschwert leben können, uns doch auch mal klar machen, dass es Wichtigeres gibt als das nächste Partyevent oder das neueste iphone (ja das sage ich, es wird Euch verwundern).

Die Nazis gönnten Adam v. Trott noch nicht einmal ein Grab, sie wollten jegliche Erinnerung an die Widerstandkämpfer auslöschen. Heute heißen Straßen, Plätze und Schulen nach ihnen. Sie sind also nicht vergebens gestorben, Ihr Vorbild bestimmt bis heute die Werte unseres Staates, der Bundesrepublik.

Am Ende möchte ich, bevor wir nun das Gesteck niederlegen, einfach den Satz auf dem Gedenkstein vorlesen:

" Adam v. Trott. 1909-1944. Gestorben mit den Freunden im Kampfe gegen die Verderber unserer Heimat. Betet für sie. Beherzigt ihr Beispiel."



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