"Lekker hange"- eine Fahrt zu unserem westlichen Nachbarn

"Lekker hange" ist mein neuer Lieblingsausdruck, es ist niederländisch für "Mal schön abhängen" oder auch neudeutsch "chillen". Ich mag den Klang, doch "lekker hange" war in der Austauschwoche absolut nicht möglich, im Gegenteil, es war hoch intensiv und gleichzeitig sehr spannend.

Die Werratalschule Heringen besitzt nun neben den schon bestehenden Programmen mit den USA und Frankreich noch einen weiteren Austausch mit dem Merletcollege in Cuijk/Niederlande (Provinz Nordbrabant). In Kooperation mit dem Johann-Gottfried-Seume Gymnasium in Vacha soll dieser Austausch nun einmal im Jahr stattfinden und Schüler aus dem 9. Jahrgang oder der Einführungsphase der Oberstufe können daran teilnehmen. Das Besondere an diesem Austausch sind dabei zwei Dinge: Zum einen findet alles in einer Woche statt, drei Tage verbringen die Schüler in den Niederlanden, drei Tage in Deutschland. Zum anderen hat der Austausch Projektcharakter, neben dem kulturellen Austausch in den Familien werden während der Woche in den jeweiligen Schulen Projekte bearbeitet, die verschiedene Aspekte der Heimat miteinander vergleichen (z.B. Schulsysteme, Jugendkultur/Industrien/Wohnorte). Arbeitssprache ist in den deutsch-niederländisch gemischten Gruppen dabei Englisch und am Schluss wird alles an einem Präsentationsabend den Eltern vorgestellt.

Als der Bus aus Heringen und Vacha am Sonntag vor dem Merletcollege in Cujik vorfuhr, warteten die niederländischen Schüler mit ihren Eltern schon gespannt vor dem Schulgebäude, viele kannten sich schon von Facebook und wussten, wie ihr/e Gastbruder/schwester aussieht. Es war ein sehr herzlicher Empfang und der erste Abend wurde in den Familien verbracht. Am nächsten Morgen galt es für die meisten deutschen Austauschschüler eine typisch niederländische Herausforderung zu meistern: Man fährt mit dem Rad zur Schule, egal, ob man nah an der Schule oder weiter weg wohnt, denn Schulbusse gibt es schlicht nicht. Doch da das Land absolut flach ist, war auch dies für alle zu leisten. In der Schule fielen dann in der Eingangshalle sofort die großen Porträts von König Willem-Alexander und Königin Maxima ins Auge. Die Schule machte einen sauberen und freundlichen Eindruck.

Nach einer lustigen Einführung in die niederländische Sprache beschäftige man sich am ersten Tag vor allem mit den Projekten. Viele Gruppen besuchten bereits in Cujik zu ihren Projekten passende Orte (Museum, Kindergarten, Firmen) oder organisierten passende Interviews (z.B. mit dem Chef der Firma Kepser oder dem Bürgermeister von Cuijk). Am Abend gab es dann einen großen Spieleabend in der Aula der Schule, typisch niederländische Spiele (zu denen auch uns bekannte wie "Reise nach Jerusalem" oder "Montagsmaler" gehörten) mussten in Gruppen absolviert werden. Nach über zwei Stunden voller Lachen und Spaß stand dann auch ein Siegerteam fest, das mit einem Kuchen geehrt wurde. Ganz am Ende mussten natürlich auch die Lehrer noch einmal mit Musik den Stuhltanz vorführen.

Am zweiten Tag ging es am Vormittag wieder mit den Projekten weiter. Wieder wurden Orte aufgesucht oder aber die verschiedenen Inhalte im Computerraum in Präsentationsform transferiert. Am Nachmittag dann ging es auf das Sportfeld, wo viele verschiedene Sportarten durchgeführt wurden und unter anderem auch eine Hüpfburg zur Verfügung stand. Zwischendurch gab es kostenlos Eis an einem auf den Platz bestellen Eiswagen und später Pommes an einem für die Niederlande so typischen Pommeswagen. Nach einer Pause ging es dann am Abend auf einen idyllisch gelegenen Hof, wo ein großes Lagerfeuer entzündet wurde. Der Tag klang dann mit Chips, Getränken und Gesprächen rund ums Feuer aus.

Am Mittwoch verabschiedeten sich die meisten Schüler bereits am Morgen von ihren Gasteltern, da nach der Schule sofort um 14 Uhr nach Deutschland aufgebrochen wurde. Am Vormittag wurde dann letzte Hand an die niederländischen Inhalte gelegt, bevor diese dann auf verschiedenen Datenträgern mitgenommen wurden. Die Fahrt in zwei Bussen (da jetzt auch die niederländischen Gastschüler dabei waren und ein Bus dann weiter nach Vacha fahren musste)verlief fast problemlos, nur eine Vollsperrung der Autobahn vor Kassel hielt uns 45 Minuten auf. Am Abend kamen dann 19 Schüler mit ihren jeweiligen niederländischen Freunden in Heringen an und 27 Schüler ebenfalls mit ihren Gästen in Vacha.

Der Donnerstagvormittag begann wie einige Tage vorher in den Niederlanden mit der Weiterarbeit an den Projekten, jetzt wurden vor allem die deutschen Anteile an den Projekten bearbeitet und entsprechende Personen und Orte Heringens aufgesucht. Zuvor hatte es eine Begrüßung durch die Schulleitung gegeben. Am Nachmittag dann brach die Gruppe nach Eisenach auf, wo die Wartburg besichtigt wurde und auch noch Zeit für einen Stadtbummel blieb. Nach der Rückkehr gab es im Foyer des Altbaus und davor einen Grillabend mit Musik und Fußballspielen.

Der Freitag konzentrierte sich dann vollauf auf den Abschluss der Projekte und letzte Proben der Präsentationen. Auch an diesem Tag wurden noch passende Orte und Personen aufgesucht (z.b. das Kali- und Bergbaumuseum und Bürgermeister Ries). Nach einem freien Nachmittag begann dann am Abend um 19 Uhr der Präsentationsabend, die Projekte wurden in verschiedenen und teils sehr kreativen Formen den Eltern und Teilen des Kollegiums vorgestellt. In der Pause gab es kostenlos Getränke und Brötchen bzw. Sandwiches. Am nächsten Morgen um 9.15 Uhr reisten die niederländischen Freunde wieder ab. Auch manche Träne wurde dabei vergossen.

Wie man an dem Verlauf der Woche sieht, war da nichts mit "lekker hange". Doch ausruhen konnte man sich dann am darauffolgenden langen Pfingstwochenende. Als Eindruck bleibt eine Woche voller Herausforderungen, Spaß, kulturellem Lernen, neuen Freundschaften und vielen interessanten Eindrücken. Die Schüler können nun von sich sagen, an einem binationalem Projekt teilgenommen und mit Schülern aus einem anderen Land auf Englisch eine Präsentation vorbereitet und durchgeführt zu haben. Die Ergebnisse dieser Projekte sprachen am Präsentationsabend für sich selbst- doch neben diesem Erfolg bleiben vor allem die persönlichen Beziehungen und Freundschaften über die westliche Grenze hinweg. Man kann die Austauschfahrt "Drei Länder(Thüringen und Hessen werden hier als Länder gezählt)-Drei Schulen- Ein Projekt" als vollen Erfolg bezeichnen.

Florian Ingrisch



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