Poesie, Pop, Power…
- Kulturabend an der Werratalschule Heringen -

"Kultur ist der Spielraum der Freiheit". Unter diesem Motto stand der diesjährige Kulturabend der Werratalschule Heringen. Und so erlebte das Publikum in der voll besetzten Aula eine bunte Vielfalt von "Acts", wie sich Nico Blaurock und Nik Laufkötter ausdrückten, die souverän durch das Programm führten.
Manche Beiträge waren im Unterricht oder in nachmittäglichen Arbeitsgemeinschaften entstanden. Für die meisten jedoch hatten sich einzelne Schüler und Schülerinnen in Eigenregie zusammengetan, zum Teil jahrgangs- oder schulzweigübergreifend. Ein Vorteil der relativ kleinen Werratalschule ist schließlich, dass man sich kennt.

Gerade diesen individuellen, im alltäglichen Schulalltag vielleicht eher verborgenen Talenten ein Forum zu bieten, war erklärtes Ziel der Organisatoren des Abends. Veranstalter waren eben nicht Lehrkräfte, sondern die Mitglieder der Schülervertretung, zu der neben den genannten beiden Moderatoren auch Jessica Ray, Maximilian Mohr, David Arpon, Fabian Peter und Hanna Knaut gehören. Unterstützt von den Vertrauenslehrerinnen Ulrike Hoffmann und Marianne Börner hatten sie den Abend organisatorisch und mit einer ausgefeilten Licht- und Tontechnik voll im Griff. Dominik Hujo und Maximilian Rühlmann tauchten die Bühne je nach Stimmung in entsprechende Farbtöne oder "nebelten" sie ein und unterstrichen damit geschickt die Wirkung der einzelnen Beiträge. Auf drei Leinwände projizierten sie zudem fortlaufend die einzelnen Programmpunkte.

Die musikalische Eröffnung des Abends übernahm das im Wechsel von Josef Riedl und Andrea Baaske dirigierte Schulorchester. Der volle Sound der Titel aus Film- und Popmusik überzeugte das Publikum ebenso wie die anschließenden leiseren Töne, mit denen Juliane Baumbach aus dem neunten Jahrgang ihren einfühlsamen Gesang darbot. Klassische Weisen steuerten die beiden Musiklehrerinnen an Harfe (Teresa Wölkner) und Querflöte (Andrea Baaske) bei und sorgten in derselben Besetzung für eine besinnliche Begleitung des Gesangsbeitrags von Marie-Helen Blank und Tanja Volkenand aus der Oberstufe. Diese ließen von Wölkner arrangierte Gedichte - gewissermaßen als Kunstlied - lyrisch-empfindsam erklingen. Stimmgewaltig präsentierten Sophie Herold, Maria Schäfer und Emily Sieler aus Klasse 6G1 topaktuelle Lieder aus der Popszene und ernteten allgemeine Bewunderung. Einen zweiten gesanglich kraftvollen Auftritt hatten sie mit weiteren gleichfalls engagierten Sängerinnen ihrer Klasse in der Arbeitsgemeinschaft "Popsongs", die von Teresa Wölkner geleitet und am Keyboard begleitet wurde.

Aber auch in schauspielerischer und sportlicher Hinsicht hatte der Abend in seinem mittleren Teil allerlei zu bieten. Für wahre Lachsalven im Publikum sorgten Florian Köhler und Jessica Ray aus der Oberstufe mit ihrem hingebungsvoll gespielten Sketch über eine Affäre im Büro, die aufgrund des ausgeprägten Geschäftssinns des Chefs ein jähes Ende findet. Der Oberstufenkurs "Darstellendes Spiel" präsentierte unter Leitung von Tina Barth zwei selbst gedrehte Videos zum Thema "Ausgrenzung", die geschickt durch die Mitglieder anmoderiert wurden. Mit den Videos nahmen die jungen Leute an einem Wettbewerb teil, der von YouTube unter dem Titel "361 Grad Respekt" bundesweit ausgeschriebenen wurde.
Luise Ritsche, ebenfalls Schülerin der Oberstufe, ließ das Publikum mit ihrer musikalisch unterstützten dynamischen Kür aus dem Bereich der Sportaerobic die Luft anhalten und demonstrierte eindrucksvoll und mit ausgesprochener Power ihr sportliches Können.

Mit Ausnahme des Beitrags der auch außerschulisch aktiven Formation "Breakingheart" (des Abiturienten David Schäfer mit Gastmusiker Henri Neusel), die mit Akustikgitarren und Gesang noch einmal für poetischere Klänge sorgte, überwogen im letzten Teil des Abends die lautstärkeren Töne. Die Arbeitsgemeinschaft "Showtime", deren Mitglieder aus den Jahrgängen fünf bis neun stammen, hatte unter Leitung von Teresa Wölkner kraftvolle Klänge zu bieten, die eine Rockband aus dem achten und neunten Jahrgang (Tobias Wehner, Marcel Schneider und Jonas Keßler) noch zu rockig-fetzigem Sound steigerte. Und zum Abschluss gab es - so die Moderatoren - "ordentlich was auf die Ohren", und zwar von einer Oberstufenband, bestehend aus Victor Heinrich, Nico Wehner, Jonas Dammer und Gast Lukas Pilz.

Gerade dieser akustisch fulminante Abschluss, der das jugendliche Publikum zum Rocken brachte, ältere Herrschaften hingegen vielleicht eher an den Heimweg erinnerte, zeigte das Besondere dieser Veranstaltung. Es handelte sich mit diesem nunmehr vierten Kulturabend dieser Art an der Werratalschule eben nicht um einen "braven", von der Schulleitung durchgeführten Vortragsabend, sondern um ein aus der Schülerschaft heraus erwachsenes und mit großem Engagement durchgeführtes Event, das den Nerv der jungen Leute abermals getroffen hat und eindrucksvoll deren Identifikation mit ihrer Schule unter Beweis stellte. (Fin)



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