"In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff!"
- Theater-AG der Werratalschule überzeugte mit Dürrenmatts "Physikern" -

Das Publikum im Bürgerhaus der Stadt Heringen war tief beeindruckt von der überzeugenden Darbietung von Friedrich Dürrenmatts Komödie "Die Physiker" durch die Theater-AG der Werratalschule Heringen. Das Besondere der Inszenierung dieses nach wie vor hochaktuellen Theaterklassikers ist, dass sie komplett in Eigenregie der theaterbegeisterten Schüler und Schülerinnen entstand. Auf Initiative und unter Leitung von Florian Köhler, eines Oberstufenschülers, fanden sich vor allem Mitschüler und Mitschülerinnen aus der gymnasialen Oberstufe, aber auch einige Mittelstufenschülerinnen zusammen, um dieses anspruchsvolle Stück einzustudieren. Dass den engagierten jungen Leuten dieses ambitionierte Projekt gut gelungen ist, davon konnte sich das Publikum an zwei aufeinander folgenden Theaterabenden überzeugen.
Alle Akteure bescheinigten bei der Premierenfeier Florian Köhler eine geduldige und kompetente Regiearbeit. Aber damit nicht genug, er brillierte ebenso mit einem ausdrucksstarken Möbius, dem Physiker, der sich freiwillig in das Sanatorium "Les Cerisiers" zurückgezogen und seine Manuskripte verbrannt hatte. Er hatte nämlich erkannt, dass seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der Freiheit durch Machtpolitiker bzw. Industriekonzerne ausgenutzt und somit zum Untergang der Menschheit führen würden. Dass er mit seiner Befürchtung richtig liegt, zeigt die Enthüllung seiner beiden Mitpatienten, die sich als die Physiker Newton und Einstein ausgeben, sich aber eigentlich im Auftrag zweier gegnerischer Geheimdienste in das Sanatorium eingeschlichen haben, um Möbius für ihren jeweiligen Staat zu entführen. Auch die Besetzung dieser beiden Hauptrollen durch Nils Westermann (Einstein) und Tobias Zaenker (Newton) war ausgesprochen gelungen. Alle drei Physiker vermittelten dem Publikum ein "Gänsehautgefühl", als sie feierlich schwören, gemeinsam im "Irrenhaus" zu bleiben "um der kleinen Chance willen, die nun die Welt doch noch besitzt, davonzukommen."

Aber diese Maßnahme entpuppt sich als vergeblich. Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd, die Irrenärztin, die authentisch von Kira Leuschner verkörpert wurde, entpuppt sich als wahnsinnig, hat längst die Manuskripte von Möbius kopiert und einen Trust gegründet, der "die Kontinente erobern, das Sonnensystem ausbeuten wird." Resigniert muss Möbius erkennen: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden."
Aber nicht nur die vier Hauptdarsteller überzeugten das Publikum. Ebenso gut verkörpert wurden Inspektor Voß durch Nico Blaurock und die Gerichtsmedizinerin durch Svenja Koch. Sie sollen die Morde aufklären, die die Physiker an den Krankenschwestern verübten, um der Enthüllung ihrer wahren Identität zuvorzukommen. Überzeugend zeigte Blaurock, wie die Ordnungsmuster zwischen Innen- und Außenwelt durcheinandergeraten: "Bin ich eigentlich verrückt? Man kommt ganz durcheinander".
Gleichfalls eingefügt in ein stimmiges Gesamtbild erwiesen sich Selina Staniczek und Isabel Führer (für die erkrankte Lea Schäfer) als Krankenschwestern, Jessica Ray als Frau Missionar Lina Rose, Konstantin Schäfer in seiner Doppelrolle als Missionar Oskar Rose und Pfleger McArthur, Amit Singh, Maria Schäfer und Vanessa Huber als die Töchter des Physikers Möbius und Luca Krämer als Oberpfleger Sievers als gelungene Besetzungen.
In technischer Hinsicht konnte sich die Truppe voll auf Dominik Hujo und Maximilian Mohr verlassen. Auch das von der Theater-AG selbst konzipierte und erstellte Bühnenbild beeindruckte durch seine funktionale, aber ausdrucksstarke Schlichtheit und bot den angemessenen Rahmen für dieses rundum erfolgreiche Theater-Event. (fin)



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