Pop, Pipes und Punků
- Kulturabend an der Werratalschule Heringen -

"Besser als jede Superstar-Suche im Fernsehen!", so kommentierte ein Besucher den Kulturabend der Werratalschule. Echte, lebendige Talente aus allen Jahrgängen präsentierten in der voll besetzten Aula eine bunte Vielfalt von "Acts", wie sich Tim Frömel und Nico Wehner ausdrückten, die locker-flockig, aber professionell durch das Programm führten.
Manche Beiträge waren im Unterricht entstanden, manche im Bereich nachmittäglicher Arbeitsgemeinschaften. Für die meisten jedoch hatten sich einzelne Schüler und Schülerinnen in Eigenregie zusammengetan - innerhalb des jeweiligen Jahrgangs oder auch jahrgangsübergreifend. Ein Vorteil der relativ kleinen Werratalschule ist schließlich, dass man sich kennt.
Gerade diesen individuellen, im alltäglichen Schulalltag vielleicht eher verborgenen Talenten ein Forum zu bieten, war erklärtes Ziel der Organisatoren des Abends. Dabei handelte es sich eben nicht primär um Lehrkräfte, sondern um die Schülervertretung der Schule, zu der neben Tim Frömel und Nico Wehner auch Dominik Hujo, Maximilian Rühlmann, Jana Mrugalla und Marcel Baum gehören. Unterstützt von den Vertrauenslehrerinnen Ulrike Hoffmann und Marianne Börner sowie einer ganzen Crew von Mitschülern und Mitschülerinnen, die sich zum Beispiel um das Catering kümmerten, hatten sie den Abend organisatorisch und mit einer ausgefeilten Licht- und Tontechnik voll im Griff. So wurde die Bühne je nach Stimmung in entsprechende Farbtöne getaucht oder "eingenebelt". Auf drei Leinwände projizierten die Schülervertreter zunächst ein pfiffiges filmisches Selbstportrait und dann fortlaufend die einzelnen Programmpunkte.

In den ersten beiden Teilen des Abends überwogen neben einer ausführlichen Vorstellung der Bläserklassenarbeit durch Musiklehrerin Baaske vor allem die leiseren Töne sowie Tanz und Theater. Allgemeine Bewunderung ernteten die jüngsten Künstlerinnen des Abends, nämlich Maria Schäfer und Sophie Herold aus der Klasse 5G1. Voller Inbrunst und stimmgewaltig präsentierten sie zwei selbst geschriebene Lieder: "I can say bye-bye" und "Wir sind happy". Sie begleiteten sich gekonnt an Gitarre (Maria) und Klavier (Sophie) und wurden beim ersten Lied ebenso engagiert von ihren Klassenkameradinnen Vanessa Huber und Lisa Reichhardt als Backgroundsängerinnen unterstützt. Ihre Texte mit englischen Einsprengseln, auf die Maria und Sophie besonders stolz sind, seien ihnen "einfach so eingefallen", kommentierten die beiden Liedermacherinnen anschließend. Ja, es gehe besonders im zweiten Lied um Beziehungsprobleme und Freiheit, was auch in den sehr eingängigen Zeilen "Lass mich los, lass mich geh'n, lass mich einfach nur im Wind steh'n" deutlich wird.
Beide Mädchen traten später noch einmal mit dem Vokalensemble "Pop Voices" auf, das unter Leitung von Musiklehrerin Teresa Wölkner ausgesprochen stimmungsvoll und virtuos drei Lieder zum Besten gab. Die Abiturientinnen Kristin Alsbach (Klavier) und Annabell Thiel (Geige) erzeugten Emotionen mit einfühlsam gespielter Filmmusik aus "Die fabelhafte Welt der Amelie" sowie aus "Titanic", und Cara Focke (Gitarre) und Marie-Helen Blank (Gesang) beeindruckten mit "The A-Team" von Ed Sheeran.
Natürlich brachte sich auch die Lehrerschaft in das Programm ein. Schulleiter Gerhard Ferenszkiewicz sprach bereits eingangs Begrüßungsworte, und acht Lehrkräfte hatten sich im Vorfeld wieder einmal zu einem Projektchor unter Teresa Wölkner zusammengefunden. Sie sorgten mit ihrem feierlich-theatralisch vorgetragenen Sprechgesang über den süßen Tod einer Stubenfliege im Marmeladenglas für eine heitere, akustische wie auch optische Überraschung.
Auch die Tanz-AG aus dem siebten und achten Jahrgang unter Leitung von Sportlehrerin Silvia Schalk setzte visuelle Akzente mit ihrer choreografisch durchkomponierten "modern dance"-Tanzeinlage zu einem Potpourri moderner Pop-Musik.

Eine kleine Gruppe theaterbegeisterter Mädchen des achten und neunten Jahrgangs hatte sich mit Deutschlehrer Theodor Rosenstock zusammengetan, um für diesen Abend drei Beiträge vorzubereiten. Bald konnte der Lehrer die Regie an Bianca Lauer abgeben, die mit großem Engagement alle drei von ihr selbst geschriebenen Beiträge mit ihren Mitschülerinnen einstudierte. Im ersten, dem Sketch "Beziehungsstatus: Single", übernahm sie selbst die Rolle eines Jungen, der mehr Gefühle für sein neuestes Handy hat als für seine immer frustriertere Freundin (gespielt von Sarah Natt) und, als diese ihn entnervt verlässt, nichts Wichtigeres zu tun hat, als sein Facebook-Profil auf den neuesten Stand zu bringen. In einem zweiten Sketch, "Casting Zicken", parodierten Annika Hühne, Madeline Volkemer, Christina Zaenker und Johanna Jakob gekonnt die aktuelle Mode, als Fernsehstar groß herauskommen zu wollen. Und schließlich bot die kleine Truppe noch einen Rap mit dem Titel "SOS! Wir haben keinen Plan", in dem die Lehrerkürzel auf dem Vertretungsplan geschickt verarbeitet waren.
Auch Kira Leuschner, Florian Köhler und Marie-Helen Blank aus der Einführungsphase der Oberstufe engagierten sich schauspielerisch, und zwar mit vier bekannten Loriot-Sketchen. Marie-Helen und Florian überzeugten in drei verschiedenen "Szenen einer Ehe", die zu der Schlussfolgerung führten, dass "Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen". Kira eiferte als Fernsehansagerin mit ihrer Inhaltsangabe der ersten sieben Folgen eines "sechzehnteiligen englischen Fernsehkrimis" erfolgreich der berühmten Evelyn Hamann nach.

Im dritten Teil des Abends überwogen die kräftigeren Töne. Jonathan Meier, Marcel Schneider, Jonas Keßler (alle achter Jahrgang) und Tobias Wehner (siebter Jahrgang) am Schlagzeug heizten schon einmal ordentlich ein, bevor dann die älteren Schüler Dominik Hujo, Nico Wehner und Lukas Pilz von der "eingenebelten" Bühne aus den Saal mit ihrem Punk in Wallung brachten. Auch einer bereits außerschulisch bekannten Band, der Heringer Punkrockband "Zensiert" (Christian Weitzel, Jannis Möller, Nik Laufkötter und Patrick Mannel) bot der Abend ein Forum. Sie präsentierten einige Songs ihrer ersten CD.
Für eine Premiere auf der Bühne der Werratalschule sorgte die Abiturientin Cara Focke, die zusammen mit ihrem Dudelsack-Lehrer von den "Burghaun Castle Pipes und Drums" in voller Schotten-Montur auf die Bühne trat. Gebannt verfolgte das Publikum, wie die beiden diesen anspruchsvollen Instrumenten mit vollem Körpereinsatz die Melodien "Amazing Grace" und "Auld Lang Syne" entlockten. Sogar zu einer Zugabe ließen sie sich von dem begeisterten Applaus "überreden"
Auch dieser "Act" zeigte noch einmal eindrucksvoll die große Vielfalt dieses erfolgreichen Kulturabends, der seinem Namen alle Ehre machte. (Fin)




 



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