Abitur und chemisch-technischer Assistent - Die ersten Absolventen eines Kombi-Bildungsgangs

Zwei Abschlüsse in der Tasche

Heringen. Wenn heute Nachmittag die Abiturienten der Heringer Werratalschule offiziell verabschiedet werden, verlassen fünf junge Leute ihre bisherige Bildungsstätte auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Die ersten Absolventen des vor vier Jahren eingeführten doppelqualifizierenden Bildungsgangs Abitur und chemisch-technische(r) Assistent/-in (CTA) erhalten ebenfalls heute ihre Abschlusszeugnisse.

Abitur plus Berufsabschluss nach 14 Jahren Schule: Andre Horn, Stefan Groß, Sabine Schäfer, Juliane Apelt, Franziska Richter



Nach dem ersten Durchgang des Projekts, bei dem die Werratalschule mit der Außenstelle Heimboldshausen der beruflichen Schulen des Landkreises sowie mit dem Kaliproduzenten K+S kooperiert, zieht der stellvertretende Schulleiter Gerhard Ferenszkiewicz eine positive Bilanz.

"Aus unserer Sicht ist es sehr erfolgreich, zumal die Absolventen, die jetzt ihre Zeugnisse in die Hand bekommen, alle durchweg mit einem sehr guten Abschluss dastehen", sagt Ferenszkiewicz. Aus diesem Grund habe sich das Projekt auch für Arbeitgeber als interessant erwiesen. "Man kriegt Top-Leute", verspricht der stellvertretende Schulleiter. Vier Absolventen hätten nach ihrer Bewerbung bei K+S einen Arbeitsvertrag erhalten.

Einer will studieren

Im Kaliforschungsinstitut sowie im Labor des Werks Werra hatten die Schüler im Zuge der doppelqualifizierenden Ausbildung bereits Praxistage absolviert. Ein Teilnehmer habe sich dazu entschlossen, nach Abitur und Berufsabschluss ein naturwissenschaftliches Studium zu beginnen.

Zu denen, die künftig im parallel zum Abitur erlernten Beruf arbeiten werden, gehört Sabine Schäfer aus Widdershausen. Wegen ihres naturwissenschaftlichen Interesses und der Möglichkeit, in nur einem zusätzlichen Jahr neben dem Abitur als zweites Standbein eine abgeschlossene Berufsausbildung zu erhalten, habe sie sich damals für den neuen Bildungsgang entschieden, erzählt die 20-Jährige.

Auch heute noch sehe sie die Doppelqualifikation als Vorteil an. Neben der guten fachlichen Ausbildung unterstreicht die Widdershäuserin vor allem die angenehme Lernatmosphäre und den guten Zusammenhalt in der kleinen Gruppe der fünf angehenden chemisch-technischen Assistenten.

Die übrigen der insgesamt 17 Schülerinnen und Schüler, die im Jahr 2007 mit Beginn der gymnasialen Oberstufe in den doppelten Bildungsgang starteten, haben die Werratalschule nach der Abiturprüfung im 13. Schuljahr mit dem Ziel eines naturwissenschaftlichen oder medizinischen Studiums bereits verlassen. Den labortechnischen Schwerpunkt des CTA-Projekts haben viele von Beginn an als gezielte Vorbereitung aufs Studium angesehen.

Wie viele Schüler im nachfolgenden Jahrgang nach dem Abitur noch bis zum Berufsabschluss weitermachen wollen, steht derzeit noch nicht fest. Viele haben sich parallel für einen zulassungspflichtigen Studiengang beworben. Ihr weiterer Bildungsweg hängt stark vom Ausgang des Bewerbungsverfahrens ab.

Stabiler Zuspruch

Insgesamt habe das Projekt des Kultusministeriums einen stabilen Zuspruch, meint Ferenszkiewicz. So habe sich die Zahl derjenigen, die sich mit Beginn der Oberstufe für den doppelten Bildungsgang entscheiden, zwischen 14 und 19 eingependelt. Für das kommende Schuljahr liegen 17 Anmeldungen vor.

Von Jan C. Eisenberg

Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

 

zurück