"Legale Grenzverletzung"

Es war ein grauer, regnerischer Tag an dem wir das Grenzmuseum „Schifflersgrund“ in Wahlhausen bei Bad Soden-Allendorf besuchten. Es liegt auf einem kleinen Berg ca. 2 km von Wahlhausen entfernt. Als wir um ca. 09.45 Uhr am Grenzmuseum ankamen, klärten wir die Formalitäten und unser Museumsführer begrüßte uns mit einem herzlichen „Guten Morgen!“. Als erstes zeigte er uns ein Stück Grenze, das dort noch erhalten ist. Es ist das längste Stück der innerdeutschen Grenze, das nicht zerstört wurde. Er erzählte uns von den Fahrzeugsperren, dem baumlosen Stück Land, was die Grenze umgab und dem Grenzweg, den die Grenzer regelmäßig abfuhren und den wir später noch mit Herrn Böhme, der dort in Wahlhausen selber stationiert war, bis ins Tal nach Wahlhausen ablaufen werden. Außerdem berichtete er von einem Vorfall, der das Grenzmuseum noch einzigartiger macht, als es mit dem längsten noch erhaltenem Stück Grenze schon ist. Heinz-Josef Große, der als Bauarbeiter am damaligen Grenzstreifen eingesetzt war und dabei selbstverständlich von DDR-Grenzsoldaten überwacht wurde, wollte am 29. März 1982 spontan einen unbeobachteten Moment zur Flucht nutzen und kletterte mittels der hochgestellten Schaufel seines Frontladers über den Grenzzaun. Eine Verkettung unglücklicher Umstände verhinderte schließlich doch das Gelingen seines Fluchtversuches: Große befand sich zwar schon jenseits des Zauns, aber noch immer auf DDR-Territorium, als ihn der tödliche Schuss traf. Zwei Bundesgrenzschutzsoldaten der BRD mussten mit ansehen, wie Große dort verblutete.

Nun gingen wir zu einem Plakat, an dem die Grenzanlage in Wahlhausen skizziert ist. Man erläuterte uns den Aufbau dieser Grenzanlage und erzählte nebenbei ein paar nette Geschichten, die von Zeitzeugen stammen. Danach gingen wir in das Gebäude und uns wurde anhand eines Modells der Grenzübergang von Wahlhausen nach Lindewerra, ein kleiner Ort an der Werra, beschrieben.
Auch Herr Böhme brachte eine Geschichte, die er selbst miterlebt hat, ein. Wir gingen weiter in einen zweiten Raum und der Museumsführer beschrieb wieder an Hand eines Modells den Grenzverlauf und die anliegenden Orte in dem Gebiet um Bad Soden-Allendorf.

Anschließend hatten wir einige Zeit, um uns auf dem Gelände umzusehen. Dort sind zum Beispiel Panzer, Hubschrauber und Fahrzeuge aus der DDR, aber auch aus der BRD. In zwei Hubschrauber konnte man sogar hineingehen um sich die Technik und Einrichtung dieser Maschinen anzusehen.

Als wir alles angesehen hatten wanderten wir mit Herrn Böhme, der wieder von ein paar lustigen, aber auch ernsten Geschichten berichtete, hinunter nach Wahlhausen. Dort angekommen stiegen wir sofort in den Bus und wir wollten alle nach Hause. Doch dann hatte jemand eine herausragende Idee: Wir wollten zu McDonald´s. Nach einiger Überzeugungsarbeit willigte Herr Böhme ein und wir fuhren nach Eschwege zu McDonald´s. Fairster Weise spendierte Herr Böhme den Schülern, die die Organisation mehr oder weniger freiwillig übernommen hatten, ihre Mahlzeit. Als alle satt waren fuhren wir weiter und kamen gegen 14.30 Uhr in Heringen an.

 

zurück