Detlef Träbert wusste zu motivieren

In einem sehr ansprechenden Vortrag ging Diplom-Pädagoge Detlef Träbert, den die Werratalschule ins Bürgerhaus der Stadt Heringen eingeladen hatte, der Frage nach, wie die Leistungsmotivation unserer Kinder gefördert werden kann. Träbert ist Bundesvorsitzender des 1974 gegründeten Vereins „Aktion humane Schule“.

Bei den gut 300 Zuhörern und Zuhörerinnen aus Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft löste er dank seiner erfrischenden Vortragsweise immer wieder Heiterkeit aus – Heiterkeit, die auch deutlich werden ließ, dass Träbert mit seinen eingestreuten Cartoons und „Geschichten aus dem Alltag“ den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Er machte deutlich, dass es „Null Bock auf Lernen“ eigentlich gar nicht geben könne, da unser Gehirn ständig lerne.

Motivationsprobleme entst¨nden nur dort, wo man nicht lernen wolle, was man lernen solle.

Neben anderen Faktoren sei besonders das positive Selbstwertgefühl eines Kindes die Basis für Motivation. Um dies zu zeigen, machte Träbert dem Publikum bewusst, dass Kinder von Geburt an bis zum Schuleintritt schon ständig lernen, und zwar von Innen, aus natürlichem Antrieb heraus, da sie es schön finden, sich weiterzuentwickeln und sich an der positiven Reaktion der Umwelt erfreuen. Mit Eintritt in die Schule – erst jetzt sprechen wir von „Leistungsmotivation“ – freuen wir uns nicht mehr über die persönlichen Leistungsfortschritte der Kinder, sondern messen sie an anderen. Träbert warnte in diesem Zusammenhang mit Pestalozzis Worten: „Vergleiche nie ein Kind mit anderen, sondern nur mit sich selbst“, da ersteres motivationshemmende oder gar –blockierende Misserfolgsängste erzeugen könne.

Natürlich weiß Träbert, dass Schule heutzutage ohne den Vergleich mit anderen nicht funktioniert, und er zeigte seiner Zuhörerschaft viele praktische Wege auf, um damit umzugehen. Eine ganz entscheidende Rolle spiele die Erziehung zur Selbstständigkeit. Anhand des bekannten Beispiels von der „heißen Herdplatte“ plädierte er daf¨r, Kinder selbst erfahren zu lassen, was z.B. unter „heiß“ zu verstehen sei. „Wer einem Kind die Lösung eines Problems sagt, betrügt es um seine eigenen Erfahrungen“, zitierte er den bekannten Lernpsychologen Piaget. So solle man keinesfalls daneben sitzen, wenn Kinder Hausaufgaben erledigen. Ein Kind müsse auch eigene Qualitätsmaßstäbe für sein Lernen entwickeln dürfen. Auch sei Lernen unter Angst unmöglich.

Da Eltern und Lehrkräfte die Leistungsmotivation aber nicht herbeizaubern können, sollten günstige Rahmenbedingungen geschaffen werden. So empfahl Träbert für manche Kinder z.B. einen detaillierten Wochenplan zu erstellen, der unbedingt auch hausaufgabenfreie Zeiten (möglichst mit Freunden abgestimmt) enthalten müsse. Positive Zuwendung sei unabdingbar. „Du hast sieben richtige Ergebnisse“ klingt viel freundlicher und damit motivierender als „Du hast drei Fehler.“

Beim Skizzieren einer angenehmen lernförderlichen Atmosphäre löste Träbert Heiterkeit und Bewegung aus, da er auch sein abendliches Publikum, sozusagen im Selbstversuch, darin anleitete, wie man in kurzen Pausen seine Kräfte regeneriere. „Bewegung und Sauerstoff bauen Stress ab“, erläuterte er dazu.

Derart leistungsmotiviert und um viele praktische Ratschläge reicher ging das Publikum auseinander.

Die Werratalschule plant in loser Folge weitere Veranstaltungen dieser Art in einem Bildungsforum anzubieten.

(Fin)

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